Zwischen Leichtigkeit und Nichtigkeit

Morgens verlasse ich das Haus und statt der Kälte schlägt mir der überraschende Frühling ins Gesicht. Mir ist nicht mehr kalt und es ist...


Morgens verlasse ich das Haus und statt der Kälte schlägt mir der überraschende Frühling ins Gesicht. Mir ist nicht mehr kalt und es ist hell, wenn ich die letzten Male neben den hyperaktiven Kindern meiner Nachbarschaft an der Bushaltestelle stehe. 
Eine ganze Nacht war ich damit beschäftigt, einen riesigen Rotweinfleck zu entfernen. Zitronensaft und Salz brachten dem weißen Stoff wieder seine Unschuldsfarbe und der Wein wird nach Möglichkeit nie wieder über Textilien verschüttet. Das Internet kann bei einigen Dingen durchaus hilfreich sein.
Die vergangenen Tage verbrachte ich größtenteils allerdings außerhalb der Internetoffenbarung auf meinem Blog. Zu komische Stimmungen, zu doofe Berichterstattungsversuche - wie auch heute - und zu wenig Zeit oder Lust.


Ich träume wirre und auch realistische Dinge und vergesse sie, sobald ich aufstehe und müde ins Bad stolpere. Doch einige Stunden oder Tage später kommen mir Gedanken, bei denen ich nicht mehr sicher bin, ob ich sie geträumt habe oder ob sie tatsächlich passiert sind. Zwischen Traum und Realität sozusagen. Jaja der Prinz von Homburg ist unterbewusst wohl bereits abgespeichert. 

 Ich will mir die Haare abschneiden. Das habe ich einfach mal irgendwann beschlossen und es mir dann doch anders überlegt. Ich mag meine langen Haare, aber ab einer gewissen Länge fühlen sie sich nicht mehr an, als wären sie Ich, sondern ein willkürlicher Fremdkörper, der nur zufallig an mir befestigt ist.  Für Radikalabschnitte, sowohl im Sinne eines Haarschnitts, auch aber in dem Sinn eines Lebensabschnitts, bin ich noch nicht bereit. Ich freue mich auf die bevorstehende Mottowoche, ich freue mich auf die Osterferien und auf viele freie Zeit und nie mehr fühlen wie Hanno Buddenbrook, aber es kann doch wohl nicht wirklich schon so weit sein, dass ich die Schule verlassen muss? Ich bin nicht bereit für die Abiturprüfungen und meine eigene Urteilskraft danach. Fühlt man sich so vor einer Hochzeit? Die kalten Füße und das ganze Tohuwabohu? Da habe ich ja nochmal Glück gehabt, dass ich gar nicht heiraten will. Ein ganz komisches Gefühl der Bodenlosigkeit, obwohl ich mich gleichzeitig auf eine weitläufige Zukunft freue. Die Memoiren eines Schulmädchens.

Flucht aus seltsamen Situationen und rein in die wunderbar verwirrenden Abende im Uclub mit Freundschaftsgeständnissen, Einladungen und einem fliegenden Wechsel von Menschen zu Menschen, die man kennt. 
 Harry Potter Filme sehen, Skype Unterhaltungen ins ferne Ausland, neue Serien und Geburtstagsgrüße versüßen mir schön die Stunden zwischen aufstehen und dem Zubettgehen. Weiß der Himmel, warum der Reiskuchen violett ist und das Innere des Zitronenkuchens grün getaucht ist. Asians... Im Haus riecht es je nach Zimmer und Tagezeit manchmal nach Apfel- oder Vanille-Duftkerzen, was ich fabelhaft finde.


Wenn man im Krankenhausaufzug steht wird man nach dem Begrüßungslächeln eines Fremden ganz traurig. Denn so freundlich der Höflichkeitsgruß auch war, so schnell verschwindet er aus dem Gesicht des Mannes, der in der Etage der Intensivstation dazustieg. Man sieht lieber auf die Monet-Drucke an der Wand, lässt den Blick über die Wochenübersicht des Essensplan schweifen oder sieht hin und wieder aus dem Fenster, als zu lange in die Gesichter von Menschen, denen es nicht ganz so gut geht.
 So fortgeschritten und aufgeklärt die heutige Medizin doch ist, so ist dennoch eine hohe Zahl an Krankenhäusern nach Heiligen benannt. Ein Patron, der wachen und schützen soll. Ein Hauch von transzendenter Unsicherheit kommt auch in den zweifelndsten Menschen auf, wenn es an Grenzsituationen des Lebens geht. 

 Türme werden angemalt, die in weniger als zwei Wochen aneinandergereiht die Stadtmauer Trojas darstellen sollen. Ich sitze in meinem Troja-Kostüm mitten in der Schule, öffne eine Schriftrolle und bemühe mich philosophisch und weise zu gucken, während ich für eine Sekundensequenz gefilmt werde. Kurz darauf steh ich mit weißer Schleife im Haar und einem Outfit, auf das Alice im Wunderland oder Dorothy aus Oz neidisch wären, am Bücherschrank und tue so als würde ich ihn putzen. Was das zu bedeuten hat, erkläre ich zu gegebenem Zeitpunkt noch auführlich. Die goldenen Pflastersteine, die mich jedoch zu dieser Aktion führten, brachten mich einen Tag zuvor noch in die wunderschönen Räumlichkeiten einer riesigen Altbauwohnung eines bereits erwähnten Kinderbuchautor und -illustrators und seiner Frau. Grüner Tee, exzellenter Kuchen und bunte Maccarons zu einem grummelnden Künstler älterer Semester und seiner witzigen Frau brachten mir Panna Cotta in meiner Erinnerung.




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  1. Wie wunderbar bezaubernd deine geschriebenen Wörter sind! Ich bin endlos glücklich diesen Blog entdeckt zu haben und lese mich durch die Posts, als ob diese ein neu erschienenes Buch von meinem Lieblingsautor seien. Bitte sag mir, dass du später einmal Bücher oder Zeitungsartikel verfassen wirst. Du solltest es auf jeden Fall tun!

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    1. Es gibt wohl wenig, was ich so sehr zu schätzen weiß. Vielen Dank!
      Ich würde nur zu gerne in irgendeinen publizistischen Bereich gehen, aber mal sehen wohin einen das Leben so treibt.

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