Spätsommerdrogen, 2011

"Einmal tief einatmen ist besser als high sein!", sagst du und du klingst wie jemand, dem ich gerne öfter zuhören würde. ...




"Einmal tief einatmen ist besser als high sein!", sagst du und du klingst wie jemand, dem ich gerne öfter zuhören würde.



Wir trinken, wir knabbern an Chips und wir lehnen uns aneinander, obwohl wir uns gar nicht so gut kennen. Wir reden über den Geruch von Regen auf Asphalt. Aber nicht auf die kitschige Weise. Stattdessen werden wir albern und wir steigern uns rein. "Einmal tief einatmen ist besser als high sein!", sagst du und ich muss auflachen. Du hörst dich gar nicht so vertraut an. Du bist nicht er. Aber du klingst wie jemand, dem ich gerne öfter zuhören würde.
Es ist schön neben dir zu sitzen, an dir, ich spür deine Wärme, du meine Bewegung und andersherum. Ein Beben, wenn jemand von uns lacht und meistens muss der andere dann ohnehin mitmachen. Wir drehen uns für einen Moment auseinander, weil wir mit den Anderen reden. Als du mir dann was sagen willst, sind unsere Gesichter plötzlich nur Zentimeter getrennt. Du bist nicht er. Aber du bist nah und du bist jemand, bei dem ich das auch nicht schlimm finde. Mein Kopf denkt etwas, mein Körper macht jedoch etwas anderes und ich weiche instinktiv ein wenig weiter weg.
Als du dich bei den anderen verabschiedest, begleite ich dich noch zur Tür, obwohl ich hier gar nicht wohne. Du ziehst dich an, wir reden noch darüber, wie lange ich noch bleibe, wie du nach hause kommst und wann man sich das nächste Mal sieht. Wir schauen uns an und umarmen uns zum Abschied. Eine lange Umarmung, bei der ich mich so sicher und gut fühle, wie schon lange nicht mehr.

Die Party auf der ich noch lange bleibe, weil ich zusammen mit einer Freundin nach hause fahre, gefällt mir nur noch halb so gut sobald du weg bist. Ich lächle und nicke, lasse den Abend ausklingen, aber denke nur darüber nach wie wir uns schon an Weihnachten kennenlernten, als ich noch in festen Händen war. Dass du auch da schon unglaublich nett warst, dass du interessante Dinge gesagt hast und aufrichtig gelacht hast, ich das alles aber nicht wahrnahm und dich am nächsten Tag schon vergessen hatte, in meinem kleinen Bann der Verknalltheit. Zwei Wochen später war ich plötzlich kein Teil eines Paares mehr und als Erinnerung bekam ich von ihm nur eine Kiste mit meiner Zahnbürste, meinen Büchern und Klamotten, die bei ihm rumgeflogen hatten. Ohne einen Brief, ohne irgendeine Bemerkung oder Aussprache, was mich unendlich verletzte und dennoch zweifelte ich nie an, dass er alles für mich war und ewig bleiben wird.
"Okay, lass uns langsam gehen", sagt mir meine Sitznachbarin und auch wir verlassen gemeinsam die Feier. Die Nacht denke ich über mein gesamtes Jahr nach, über die schönsten Momente, die ich hatte und über den langen Abgrund und meine Zerstreuug im Frühjahr und Sommer.

Am nächsten Morgen stolpere ich über die ausgezogenen Anziehsachen auf dem Boden, trink meinen Kaffee und eine neue Nachricht leuchtet auf. "Guten Morgen! Heute solls regnen. Komm auf meinen Balkon und wir inhalieren ein bisschen!"
Du bist nicht er. Du bist besser.


2011



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