Bambergreisen

"(...) Das war nicht anders als bei jungen Leuten überhaupt. Wäre Bozena rein und schön gewesen und hätte er damals lieben könne...



"(...) Das war nicht anders als bei jungen Leuten überhaupt. Wäre Bozena rein und schön gewesen und hätte er damals lieben können, so hätte er sie vielleicht gebissen, ihr und sich die Wollust bis zum Schmerz gesteigert. Denn die erste Leidenschaft des erwachsenen Menschen ist nicht die Liebe zu der einen, sondern Hass gegen alle. Das sich unverstanden Fühlen und das die Welt nicht verstehen begleitet nicht die erste Leidenschaft, sondern ist ihre einzige nicht zufällige Ursache. Und sie selbst ist eine Flucht, auf der das Zuzweiensein nur eine verdoppelte Einsamkeit bedeutet. (...)"
- Die Verwirrungen des Zöglings Törleß, Robert Musil

*
Ein Freitag ohne angekündigten Gastvortrag. Ein Freitag mit viel Theorie und öden Beispielen, ein Freitag, in dem ich die Wohnung auf Vordermann bringe, meine Sachen packe und daraufhin mit Tasche zum Hauptbahnhof aufbreche. Dort hat mein Zug Verspätung und es ist kalt.
 Ich verpasse meinen Anschlusszug ehe ich in Würzburg ankomme. Xavar. Mir wird ein Formular mit meinen Fahrerrechten und ein neuer Fahrplan von einer Bahnmitarbeiterin mit fränkischem Akzent ausgehändigt. Mit einiger Verspätung fahre ich in meinen Zielbahnhof ein. Es ist dunkel, eiskalt und ein lockiger blonder Mensch erwartet mich.
 Ein Flur mit berankter Mauerntapete. Räume mit hohen Decken, mit farbigen Tupfern und Bildern, die ich kenne, Kleinigkeiten, die ich mal verschenkte. Ein langes Wochenende in Bamberg.





Ich sehe die Innenstadt, die quasi nur aus Altstadt besteht. Ich sehe farbige Häuserdächer, Pflastersteine, Altbauten, Fluss, Kirchtürme, Brücken und bergige Landschaft. Ich liebe farbige Häuserdäche, Pflastersteine, Altbauten, Flüsse, Kirchtürme, Brücken und bergige Landschaft. In jeder Straße begegnet man Antiquitätenläden, die sich an Bäcker, an Antiquariate und historischen Gebäuden reihen. 
 Mir wird die Universität gezeigt. Zumindest einige Teile davon und der Lieblingshörsaal.
 Nach Bibliotheken gehen wir ins Naturkundemuseum. Ewig bleiben wir im Vogelsaal. Der ganze Saal ist im Stil des Klassizismus gestaltet und man erkennt Symbolik sowohl im Boden, als auch in vielen Formen, die auf die Vögel verweisen. Büsten von Naturforschern und unendliche Blicke in Vitrinen. Hinter Glasscheiben, in Gläsern, auf Zweigen drapiert, in irgendeiner Form sortiert. Eine Vielfalt an Vögeln, einige Säugetiere, exotische Singvögel und Amphibien, Reptilien. Wir finden die wirbellosen Tiere sowie viele der Fische oder Kröten ziemlich ekelhaft anzusehen. Nichts jedoch so schlimm wie einige wenige Exponate missgebildeter Tiere.
 Der Sammlung von Mineralien und Gesteinen können wir viel abgewinnen. Wunderschöne Kristalle, die wir als unsere Favoriten auserwählen. Ebenso faszinierend sind Skelette. Das mag man natürlich sehr grotesk - wie das Museum als solches eventuell auch - empfinden, aber da ist doch so viel durchdachte Mathematik und Funktionalität in der Natur, die extrem schön ist.

Wir träumen nachts nur verrücktes Zeug. Ausschließlich. Seltsame Halbschlafszenarien ergeben sich auch.


Der zweite Advent wurde mit einem Frühstück zelebriert. Der gesamte geistige und geistliche Teil meines Ausfluges bleibt bildlich unsichtbar. Der Dom. Das Diözesanmusem. Ebenso wie die Neue Residenz und der Rosengarten. Keine Fotos, aber dennoch viele Eindrücke. Transzendenz, Monarchie und Kunst.

Glaube ist ein schwieriges Thema. Und  ein Thema, dem viele zu wenig Respekt entgegenbringen, finde ich. Es werden Kerzen angezündet.

Kuchen essen. Plätzchen naschen. Aubergine mit Parmesan ersticken. Pizza bestellen. Glühwein trinken. Eierpunsch schlürfen. Bretzeln und Nussschnecken frühstücken. Im Pyjama rumhängen, im Bett Nachrichten schreiben, Adressen notieren und in den Postkasten werfen.



Im Antiquariat kam es zu seltsamen Begegnungen. Mit Büchern, die wir liebevoll wie Säuglinge im Arm hielten, schritten wir amüsiert oder fasziniert zwischen den Regalen umher. Potenzielle Käufe kamen erst einmal auf den Arm, um nach Beendigung der Rundtour und etlichen Titeln, die man mit geneigtem Kopf las, etlichen Buchrücken, über die man mit seiner Handfläche strich oder Seiten, die durch unsere Finger raschelten, auf einem Tisch platziert und analysiert zu werden. Welche brauche ich wirklich? Welche will ich unbedingt? Welche werde ich nie wieder finden oder zumindest nicht in dieser Ausgabe oder zu diesem Preis? Wir stellen Stapel zurecht: "Die kaufe ich auf jeden Fall", "bei denen bin ich mir unsicher" sowie die traurige Stapelung der Exemplare zu "okay, die sind nicht so dringend".
 - "Dieses Buch habe ich vor einigen Jahren auch gelesen!", mischt sich plötzlich eine fremde Frau ins Gespräch und zeigt auf eine dicke Biografie von Sylvia Plath in meiner Hand, "und es war sehr gut! Sie werden das nicht bereuen, wenn Sie es kaufen."
 Und weg war sie. Verdutzt und positiv verstört bleiben wir zurück. Natürlich kaufe ich die Biografie.



Die Rückfahrt. - Kleine Burgen auf Hügeln, hohe Weinberge und Loreley. Loreley. Sämtliche Sicht verdunkelt sich. Draußen sind bloß noch Lichtpunkte und hin und wieder auch ganze Beleuchtungen zu sehen, Spiegelungen auf dem Rheinwasser und mein Gesicht in der Fensterscheibe ebenso.
Ich muss ein Referat fertigstellen und will lieber schlafen. Tue letztendlich beides bis ich ankomme.

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4 x

  1. wirklich wundervolle bilder und die pizza würde ich jetzt zu gerne verschlingen:)

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  2. Die Bilder sind super!
    Liebe Grüße
    Sarah

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  3. Sehr schöne Bilder. Ich bin auch ein absoluter Fan von Reisen und Sightseeing.

    Liebste Grüße
    Sabrina :*

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