Schon ein Wahnsinn, dass ich so lange in Berlin lebe mit so vielen Türken in Berührung komme, aber überhaupt kein einziges Wort Türkisch spreche.

"Ich finde in Berlin ist es auch krass, wenn du auch in einem Bezirk bist, wo viele Ausländer sind... dieser unterschwellige Rassis...



"Ich finde in Berlin ist es auch krass, wenn du auch in einem Bezirk bist, wo viele Ausländer sind... dieser unterschwellige Rassismus. Dass sie sagen "Ich bin Kurde und du bist Türke" oder "Ich bin Sunnite und du bist Alevite" und dieses ganze. Dieser unterschwellige Rassismus ist viel gefährlicher als jetzt irgendwelche besoffenen Leute, die nichts zu tun haben (...)" - Tarek Ebéné, K.I.Z.

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"Peinlich genug, dass es das erste Mal ist, dass ich in der Türkei und in Istanbul bin (...)", erwähnt Anne Will, als sie Serdar Somuncu in Istanbul trifft, "Schon ein Wahnsinn, dass ich so lange in Berlin lebe mit so vielen Türken in Berührung komme, aber überhaupt kein einziges Wort Türkisch spreche. Und an Italiener, Spanier und so weiter schmeißt man sich unheimlich ran, "oh, bon soir!"... Und dass ich das dann gar nicht kann, mit einem Türken zu sprechen, finde ich schon auch echt bedenklich."

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Während etwas aus Spanien, Frankreich oder Italien meist als kulturelle Bereicherung gilt, gilt die Türkei innerhalb Deutschlands in so vielen Kontexten irgendwie eher als eine Art Belastung. Etwas, was sich hier negativ auswirkt und negativ konnotiert ist.

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"Wenn es um Ausländer geht, schwanken die Deutschen zwischen zwei Extremen: Da ist zum einen eine Art Verklärung, die sie manchmal blind macht selbst für die offensichtlichste Fehlentwicklungen in den verschiedenen Einwanderergruppen, zum anderen aber eine verletzend wirkende Gleichgültigkeit.
 Besonders gerne redet man sich den Italiener schön. Man kennt ihn in Deutschland fast ausschließlich in seiner Erscheinungsform als Wirt oder Kellner. Dabei hat er sich seiner Umgebung hier oft schon so weit angepasst, dass er mit Italienern in Italien kaum noch verglichen werden kann: Überschwänglich redebrechend begrüßt er seine Gäste, die er mit Komplimenten überhäuft. (In Italien würde man das eher als kauzig ansehen.) Froh gestimmt unterstützt er den Weinkonsum seiner Gäste, die wie festgewurzelt im Lokal sitzen. (In Italien kommt es auf schnellen, effizienten Service an, und viel zu trinken ist absolut verpönt.)
(...)
 Auf der anderen Seite ist da diese Gleichgültigkeit. Neulich sprach ich bei meinem Italiener um die Ecke mit einer Kellnerin, die jung und sehr tüchtig ist. Sie spricht fast noch besser Italienisch als Deutsch, ist aber keine Italienerin, sondern Rumänin. Das merken die meisten Gäste nicht - und sagen deshalb solche Sätze zu ihr: "Ach, Sie sind Italienerin, das ist ja schön! Aus welcher Gegend kommen Sie denn?" Das ist freundlich gemeint. Dann antwortet sie: "Ich bin keine Italienerin, ich komme aus Rumänien." Die Kellnerin hört verlegen gesprochene Sätze wie: "Rumänien - auch schön..." Sie glaubt dann, Enttäuschung und auch Geringschätzung in den Gesichtern lesen zu können." -aus "Wofür stehst Du?"

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