Minimalismus: Die Capsule Wardrobe

Kein klassisches Thema für meinen Blog. Mode. Aber eine Frage, mit der ich mich beschäftigt habe, bringt mich dennoch dazu, darüber zu schr...

Kein klassisches Thema für meinen Blog. Mode. Aber eine Frage, mit der ich mich beschäftigt habe, bringt mich dennoch dazu, darüber zu schreiben: Wenn es mir Spaß macht, neue Kleidung zu kaufen, was bringt es mir dann aber, wenn ich eigentlich doch immer wieder nur das Gleiche trage? Die alten Verdächtigen in Dauerschleife? Wenig, würde ich sagen. Es zeigt mir jedoch Probleme innerhalb meines Kleiderschrankes und meines Kaufverhaltens auf. Wenn meine Kleiderstange voller schöne Stoffe hängt und man dennoch nichts anzuziehen hat, dann stimmt etwas nicht. Teilweise mit der Kleidung, teilweise mit mir. Gelöst wird es nicht, indem ich blind mehr kaufe - genau im Gegenteil liegt die Lösung.

Man hat es bestimmt schon gehört, aber so ganz genau, weiß nicht jeder bescheid. Das will ich jetzt ein klein wenig auflösen. Die wohl einfachste Definition der sogenannten Capsule Wardrobe ist vielleicht eine sehr kleine Auswahl von Kleidungsstücken, die sich für eine bestimmte Zeit auch nicht weiter ausweitet.
D.h. sie besteht aus vielerlei kombinierbaren Teilen, von denen man alle trägt. In verschiedenen Projekten und Beschreibungen ist eine empfohlene Anzahl von Kleidungsstücken vorgesehen und oft teilt sich diese in Jahreszeiten auf, in denen eine Winter Capsule Wardrobe oder eine Summer Capsule Wardrobe gezeigt wird. In diesen unterscheidet sich die Kleidung wetterbedingt und ist nach Farbe und Stimmung angepasster. Vom Durchschnittsmodeinteressierten ausgegangen heißt das zumeist: Weniger ist mehr. Hab nur so viel du trägst, hab nur, was du liebst, würde ich vereinfacht sagen.





How to make a capsule wardrobe? // Wie erstellt man sie?


  • Ausmisten 


Ausmisten hat bei mir schon immer am besten geklappt, wenn ich alles auf einem Haufen gesehen habe. Schon als ich klein war habe ich meine gewaltige Lego-Kiste ausgeschüttet und dann angefangen zu sortieren und auch all die kleinen Barbieschühchen und Überraschungsei-Figürchen, die sich in ihr verirrt hatten, auf einen anderen Haufen gelegen. Im übertragenen Sinne machen wir genau das jetzt auch.
Alles, wirklich alles sollte aus dem Kleiderschrank raus. Und dann wird jedes einzelne Teil in die Hand genommen und begutachtet. Es gibt vereinzelte Dinge, die ich dauernd und sehr gerne trage, von denen ich ganz genau weiß, dass sie auf den Stapel kommen, von Kleidungsstücke, die ich auf jeden Fall behalte. Bei allem anderen sollte man kritischer sein.

Was ziehe ich oft und gerne an? Was habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr anprobiert? Was trage ich nie? Was passt mir nicht? Was habe ich nur, weil ich es schön finde, aber eigentlich nicht an mir? Was passt nicht in meinen Alltag? Was liebe ich? Was gibt mir ein schlechtes Gefühl? Was trage ich nie, weil ich nicht weiß, wie ich es kombinieren soll? Was verbraucht nur Platz? Was habe ich bloß, falls es mal einen Anlass gibt? Was habe ich nur, weil Erinnerungen daran hängen?


  • Sortieren & Platzieren


Kleidungsstücke, die man nicht regelmäßig trägt, die man dennoch behalten möchte, sollten an einem anderen Platz aufbewart werden, als die Alltagskleidung. Dazu gehören z.B. Kleider oder Schuhe, die nur an bestimmten Anlässen, Hochzeiten etc. getragen werden.
Auch eindeutig an Feiertage gebundene Dinge wie Weihnachtspullover, Halloween- und Karnevalskostüme oder ähnliches. Was man hier noch logisch einsieht, haben die meisten von uns auf einer anderen, eigentlich ebenso logischen Ebene nicht umgesetzt: Es gibt eindeutige Winter-, eindeutige Sommer- und Übergangskleidung, die nahezu immer getragen oder kombiniert werden kann. Wenn ich im Sommer erst an all den Pullovern und Jacken vorbeigucken muss, habe ich keinen offenen Blick für all das, was ich tragen kann und will. Wieso also nicht einteilen und saisonal ordnen?


  • Auffüllen & Kombinierbarkeit


Wenn sich jemand getraut hat, recht radikal auszumisten, dem könnte es dann oder wann vielleicht auffallen, dass nun Lücken bestehen. Bestimmte Oberteile oder Kleider hatte man bisher immer mit Kleidungsstücken kombiniert, die es nun nicht mehr gibt und die es nun aufzufüllen gilt. Der Nummer 1 Punkt bei einer Capsule Wardrobe besteht in der vielseitigen Kombinierbarkeit. D.h. Ich habe bestenfalls Dinge, die sich in Farbe, Schnitt und Tauglichkeit für mich mit recht vielem anderen sinnvoll kombinieren lassen. Was fast bei jedem dabei ist: Eine schwarze Hose, eine Bluse, ein grober Strickpullover zum Beispiel. Aus rein ästhetischen Vorlieben habe ich generell nahezu bloß Farben wie weiß, schwarz, grau und beige in meinem Kleiderschrank, was ich aufgrund dessen aber auch praktisch nutzen kann, um fast alles mit allem zu tragen.


  • Im Weiteren - Kaufe weniger, aber bewusster & reflektiere 


Das Konzept nützt langfristig nichts, wenn man wieder in alter Muster verfällt. Das heißt: Einkaufen, sollte bewusster geschehen. Lücken auffüllen, nur kaufen, was wirklich 100% passt und gefällt und sich tragen lässt.
Außerdem: Wenn mir im Laufe der  Zeit im Bezug auf meinem "neuen" Kleiderschrank erneut auffällt, dass es irgendwie wieder Dinge gibt, die ich wohl überschätzt und niemals getragen habe, dann sortiere auch sie aus. Und wenn mir im Laufe der Zeit auffällt, dass mir das ganze Konzept vielleicht doch nicht so viel bringt oder einfach nicht mein Ding ist, dann ist auch das ein weiterer Schritt nach vorne. Eine Capsule Wardrobe kann für viele zu extrem sein - wobei es keine festen Regeln für Anzahl oder Ausnahmen etc. gibt. Vor allen Dingen ist es für mich eine Inspiration und ein Denkanstoß. Denn ist mir einmal aufgefallen, wie ich scheinbar immer wieder einen Fehler beim Kleiderkauf mache oder wieso ich immer das gleiche trage, dann fällt es mir seit dem immer wieder auf. 



Das Ziel einer Capsule Wardrobe besteht im Kern nicht in einem Kaufboykott, auch eigentlich nicht in einer Kritik des Konsums als solches. Durch das Projekt bietet sich eine Möglichkeit, falls einem der status quo nicht mehr gefällt. Zu kompliziert, zu viel, oder vielleicht einfach zu falsch, war die Auswahl. Erst im Schritt darauf könnte einem klar werden, dass der Kauf neuer Kleidung und die Vervielfältigung unserer Kleider nicht die eigentliche Verbesserung, sondern eine Verschlechterung bewirkt., wenn unser bisheriges Einkaufsverhalten der neuen Stücke, die wir mit Spaß kaufen, uns mehr Last als Spaß bringt. Mir macht Mode Spaß und ich probiere auch gerne mal etwas aus. Die Zeit, Mühe und auch das Geld, das ich jedoch vor Jahren noch darin investiert habe, spare ich mich jetzt allerdings doch lieber für anderes, was mir wichtiger ist, ohne daran auch nur ein bisschen Spaß zu verlieren.


Hab nur so viel du trägst, hab nur, was du liebst.



Die Einen sagen, bei dieser Methode ginge die Kreativität und der Spaß an Mode verloren. Die Anderen halten entgegen, dass genau das die Kreativität und den Spaß ankurbelt; die Challenge, die  Reflektion des Wesentlichen, was man gut findet und nicht der Masse. Morgens stehe ich nicht mehr vor einem unglaublich vollen Kleiderschrank. Andererseits stehe ich vor einem Kleiderschrank voll mit Kleidung, die ich liebe. Ein Kleiderschrank mit Dingen, die sich kombinieren lassen und welche die Wahl vereinfachen.












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