No one ever told me that grief felt so like fear. - C.S. Lewis

Fröhlich' Leid Ich sitze im Zug und der Mann gegenüber - er ist vielleicht vierzig, noch nicht ganz fünfzig und hat ein freundli...




Fröhlich' Leid

Ich sitze im Zug und der Mann gegenüber - er ist vielleicht vierzig, noch nicht ganz fünfzig und hat ein freundliches, etwas erschöpft dreinblickendes Gesicht mit Brille und leicht ergrauten Bartstoppeln - hält ein paar Zweige mit gelben Blüten in der Hand. Sie sind in Zeitung gewickelt. Feuilleton. Er nickt mir zu, als ich mich in den Vierer setze, ich lächle verlegen zurück, denn Reden ist oft nicht so mein Ding. Ich lege meine Tasche auf den Schoß, meine Hände und Arme lasse ich darauf fallen, sacke vielleicht sogar ein wenig zusammen, wer weiß das schon und wer macht das nicht auch nach anstrengenden Tagen. Ich schaue aus dem Fenster und nehme mir irgendwann mein Buch und lese. Eine Dreiviertelstunde später, längst sind wir am Brühler Schloss und dem Kölner Dom vorbei gefahren - der tägliche Pendler Alltag meinerseits - und der Mann steht auf. Ich blicke kurz auf, um nachzusehen, ob meine Beine im Weg sind, ich irgendwie störe, denn er bleibt stehen. "Auf Wiedersehen!", sagt er mit einem Lächeln, als seien wir Freunde und geht hinaus. "Tschüss", sage ich vielleicht zu leise vor Überraschung.

Freude und Schmerz so nah beieinander. Die Zeit negiert sich selbst und ich gebe mir Mühe, zu schreiben. Ständiges Abschiednehmen neben dem wohlwollenden Schubsern in Richtung von Begrüßungen, denen man lieber aus dem Weg gehen mag. Nie waren Gedanken so klar und so nebelig zugleich, nie war ich so sehr in und außer mir, wusste genau, was richtig ist und nahm es gleichzeitig nicht wahr.

Ich war viel Wandern. Vielleicht waren es auch bloß lange und intensive Spaziergänge, denn ich kenne den Unterschied nicht. Ich sitze mit Kindern in einem Hasengehege und will die Kaninchen fast zerquetschen so sehr will ich sie streicheln und kuscheln. Ich jage Kinder und ziehe ihre Beine weg bis sie lachend und ohne Energie zu verlieren immer wieder aufstehen und noch einmal meinen Armen entkommen wollen. Ich verrenke mir den Hals ein wenig. Ich sitze im Bus und Pollen fliegen durch die Luft, auf mich zu und schließlich in mein Nasenloch.


Körper, Geist, Ichsein.

Was ist der Mensch? Der Mensch im Kern, im Individuum, in etwas, was wir manchmal als Seele, manchmal als Persönlichkeit bezeichnen. Den Neurozentrismus lehnt Markus Gabriel mit "Ich ist nicht Gehirn" ab. Ich denke gerade viel über ähnliches nach, insbesondere im Körper und Geist Dualismus und im Zusammenhang mit Zeit. Für einen Text habe ich mich viel mit Identität beschäftigt. Welche Rolle spielt der Körper dabei? Was ist Körperlichkeit überhaupt im Kontext von etwas, das wir das essentielle "Ich" nennen? In unserem Begriff von Ich-Identität ist die Vergegenwärtigung der Selbstreferenz, untrennbar jedoch auch: das definierte Selbst in Vergangenheit und als Mitgetragenes. Wo ist die Zukunft, nicht bloß für die Identität, sondern in der Identität als solcher?
- Wenn jemand Lektüreempfehlungen in die Richtung oder einen guten Gedanken hat, darf diejenige oder derjenige sich gerne bei mir melden.




































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