Weltwille (Schopenhauer Vol. 1)

Ich habe mir etwas überlegt. Zuerst einmal einiges zu Schopenhauer. Und danach, ob ich das nicht vielleicht auch auf meinen Blog post...



Ich habe mir etwas überlegt. Zuerst einmal einiges zu Schopenhauer. Und danach, ob ich das nicht vielleicht auch auf meinen Blog posten sollte. Ich habe mich in einer Ausarbeitung mit den Grundlagen Arthur Schopenhauers Musikästhetik beschäftigt, welche erstmals die Musik als Kunstgattung in der Ästhetik in einem Ausmaß erhoben hat, wie es zuvor noch nie getan wurde. In ihr kulminiert Schopenhauers Ästhetiktheorie aus seinem Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung.
Und das - ob ihr wollt oder nicht - bekommt ihr nun ein wenig abgeändert und vereinfacht nach und nach um die Ohren geworfen.


Gleich mehrere Fragen kamen mir auf, als ich mich erstmals mit den Grundgedanken Schopenhauers Konzeption beschäftigte:
Zum Einen habe ich mich gefragt, welche Bedeutung Schopenhauer mit seiner Theorie in der Musikästhetik spielt. Inwiefern hat er sich beeinflussen lassen – z.B. durch Kant oder Gedankenströmungen im Buddhismus – und wie hat er die Musikästhetik und andere Philosophen und Künstler unmittelbar in und nach seiner Zeit oder auch heutzutage beeinflusst und geprägt. Zum Anderen, habe ich mich gefragt, inwiefern die Ästhetik aus Leiden oder dem metaphysischen Willenstreiben helfen soll. Wieso scheint die Musik nach Schopenhauer, aber auch intuitiv, in uns nicht bloß eine Unterhaltung oder bloße Befriedigung, sondern gar innige Freude oder das Gefühl eines Verstehenwerdens und Genusses hervorzubringen? Wieso wird die Musik geradezu nicht nur als ein Medium, sondern gar als eine Sprache oder gar ein Heilmittel gesehen?


Schopenhauer schreibt in §52 in Der Welt als Wille und Vorstellung:
"Das unaussprechlich innige aller Musik, vermöge dessen sie als ein so ganz vertrautes und doch ewig fernes Paradies an uns vorüber zieht, beruht darauf, dass sie alle Regungen unseres innersten Wesens wiedergibt, aber ganz ohne die Wirklichkeit und fern von ihrer Qual."

Aus dem Zitat lässt sich vielleicht bereits für einen Laien herauslesen, welch einen Wert und welche enorme Fähigkeit Schopenhauer der Musik zuschreibt, was seinerzeit nahezu unberührtes Terrain war, nun aber die Musikästhetik bis in die Gegenwart geprägt hat.

Ich werde vorerst einen Einblick in Schopenhauers Lehre seiner Willensphilosophie geben, dessen volitionale Metaphysik Fundament seiner ästhetischen Konzeption ist. Daraufhin werde ich erklären, welche Aufgabe er der Kunst als solcher zuschreibt und welche Rolle platonische Ideen dabei spielen. Des Weiteren werde ich in Exempeln auf beschriebene Charakteristiken der Musik eingehen und beschreiben, was die Musik auszeichnet und wieso sie solch einen emotionalen, intuitiven, gar metaphysischen Einfluss auf uns hat und als allgemeine Sprache gilt. Ich werde mich mit der Frage beschäftigen, wieso und inwiefern die ästhetische Erfahrung der Musik aus dem Leiden, das der Welt inne ist, helfen soll und wieso gerade sie, die Tonkunst, die gesonderte Stellung innerhalb vieler anderen Kunstgattungen wie der Dichtkunst oder der Architektur bewohnt. Zuletzt werde ich auf die Rezeption von Kunst und die kontemplative Betrachtung eingehen, die in einem Loslösen des willensgeleiteten Subjekts mündet. In meinem letzten Teil werde ich zudem noch auf die Wirkungsgeschichte Schopenhauers eingehen. 






Schopenhauers Willensphilosophie

Die Welt als Wille und Vorstellung, dessen Erstausgabe 1819 publiziert wurde, stellt Arthur Schopenhauers Hauptwerk dar. Das Zentrum seiner Philosophie ist die Beschreibung der Welt als Duplizität von Wille und Vorstellung. 



Die Welt ist meine Vorstellung

Bereits mit dem ersten Satz seines Werkes  benennt Schopenhauer zu Beginn seine These: „‘Die Welt ist meine Vorstellung’ – dies ist die Wahrheit, welche in Beziehung auf jedes lebende und erkennende Wesen gilt“. Weiter schreibt er, dem Menschen werde "deutlich und gewiß, daß er keine Sonne kennt und keine Erde; sondern immer nur ein Auge, das eine Sonne sieht, eine Hand, die die Erde fühlt; daß die Welt, welche ihn umgiebt, nur als Vorstellung da ist, d.h. durchweg nur in Beziehung auf ein Anderes, das Vorstellende, welches er selbst ist." Nach Schopenhauer ist demgemäß die Welt bloßes Objekt, das in einer Relation des wahrnehmende Subjekts steht, sie ist die bloße Anschauung eines anschauenden Subjekts. Alles, was der Mensch glaubt zu wissen, ist nach Schopenhauer lediglich Vorstellung.
Was hier zu sehen ist, ist der Einfluss von Kants Erkenntnistheorie, die a priori zu Grunde liegenden Modi Raum, Zeit und Kausalität auf, denen die Erkenntnisfähigkeit des Menschen unterworfen ist. Aufgrund dieser Beschaffenheit nimmt der Mensch alles in den genannten Modi nebeneinander, nacheinander und ursächlich wahr, welche den Satz vom Grunde bilden und gleichzeitig Basis seiner Willensphilosophie bilden.


Der eigene Leib als unmittelbares Objekt

In einem Punkt widerspricht Schopenhauer Kant jedoch: Das Ding an sich erfährt der Mensch. Am ehesten in sich selbst. Durch das am eigenen Leib Erfahrene, Erlebte, kommt der Mensch der Wirklichkeit nah, wobei sogar auch die Introspektion noch kein erschöpfend adäquates Erkennen des Dinges an sich  liefert, ihr jedoch näher kommt als jede andere.
Der eigene Leib hat in Schopenhauers Ausführungen einen besonderen epistemischen sowie metaphysischen Status, denn er ist für den Menschen das "unmittelbare Objekt". Jede Erkenntnis äußerer Gegenstände ist bloß über die Vermittlung über den Leib, also indirekt möglich. Der Mensch erkennt seinen Willen “nicht als Einheit, nicht vollkommen seinem Wesen nach", er erkennt ihn "allein in seinen einzelnen Akten, also in der Zeit, welche die Form der Erscheinung meines Leibes, wie jedes Objekts ist”, d.h. er erkennt die Gegenstände dadurch, dass er die Zustände und Modifikationen des eigenen Leibes spürt und erkennt. Dies beschreibt der priviligierte epistemische Zugang des Menschen, dem Subjekt des Erkennens, zum eigenen Leib.

"Der Willensakt und die Aktion des Leibes sind nicht zwei objektiv erkannte verschiedene Zustände, die das Band der Kausalität verknüpft, stehen nicht im Verhältniß der Ursache und Wirkung; sondern sie sind Eines und das Selbe, nur auf zwei gänzlich verschiedene Weisen gegeben: ein Mal ganz unmittelbar und ein Mal in der Anschauung für den Verstand."

Durch die Erfahrung am eigenen Leib, welcher als Übertragungsmedium dient, ist das Individuum fähig, sein Innerstes zu erkennen, was ihn und das ganze Sein bewegt und Schopenhauer mit der Terminologie des Willens bezeichnet. In der Form von Bedürfnissen, Empfindungen, Trieben und ähnliches erfährt der Mensch ihn unmittelbar.


Die Welt ist Wille

Schopenhauer folgt der Systematik einer voluntaristische Metaphysik, sodass im Zentrum seiner Philosophie steht der sogenannte Wille steht. Demnach ist der Wille das metaphysisches Prinzip der Existenz. Er beeinflusst und ermöglicht unsere Vorstellung. Er ist das Ding an sich, was hinter allem steht, was das menschliche Vorstellungsvermögen konstituiert und wovon es kontrolliert wird. Dieser Ur- und Weltwille bewegt als allgegenwärtige Kraft das gesamte Sein und drückt sich in Objektivationen seiner selbst aus, d.h. in Erscheinungen in raumzeitlichen Koordinaten.
Jede Erscheinung in der Welt, alle Einzeldinge, Individuen, Materie sind Teil des Prinzips und  Objektivation des Willens. Der Wille selbst ist jedoch nicht der Raumzeit unterworfen, sondern frei und  er liegt "außerhalb des Gebietes des Satzes vom Grund in allen seinen Gestaltungen, und ist folglich schlechthin grundlos". Er will in der Natur nur sich selbst und die einzelnen Willensgestaltungen und -manifestationen, ist ansonsten grundlos, ziellos. Diese vorherrschende und treibende Kraft ist jedoch nicht vernunftorientiert, was im Kontrast zu dem dominanten Vernunftbegriff bei Kant steht. Nicht die Vernunft und der Intellekt des Menschen trifft Schopenhauer zufolge die Entscheidungen, sondern der Wille. Die Welt als Vorstellung ist im Ganzen und auch in ihren Teilen Objektivation des Willens.



Bis dahin vorerst.

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