Eine kurze Zeit in Lübeck & Neustadt

Bei meiner Ankunft in Lübeck roch es plötzlich nach Waffeln. Nicht nur an einem Haus, an dem wir vorbeigingen, sondern einige Minuten s...



Bei meiner Ankunft in Lübeck roch es plötzlich nach Waffeln. Nicht nur an einem Haus, an dem wir vorbeigingen, sondern einige Minuten später an einer ganz anderen Straße ebenfalls. Vielleicht ist das ja ein Trick der Stadt, denken wir kurz. Man hört ja, dass auch Immobilienmakler den Geruchssinn in ihr Geschäftsmodell eingebaut haben. So sollen Häuser, in denen es nach frisch gebackenen Keksen riecht, besser verkauft werden. Es duftet dann so, wie man sich ein wohliges Zuhausesein vorstellt und das beeinflusst die Käufer unbewusst. Bei uns hat es jedenfalls auch geklappt, denn ich habe mich vollends in Lübeck verliebt. Zwar nicht unbedingt wegen potentieller Waffeln, aber die stehen meinen Vorstellungen natürlich auch nicht im Weg.

Nach dem Frühstück stecke ich eine Merci Riegel, den man mir gab und den ich vorerst nicht essen wollte, in meine Tasche. Ein Fehler, denn einige Stunden sonnigem Spaziergang später haftet er in Form flüssiger Schokolade an all meinen Habseligkeiten meiner Handtasche.

Ich mag die Ruhe, die die Stadt ausstrahlt, mag den Hafen, das Wasser, die Häuserfassaden und die Art der Menschen hier. Sehr wohl könnte ich mir sogar vorstellen, man hier zu wohnen und ich überlege mir bereits Vorwände, weswegen ich zumindest für eine kurze Zeit mal hier leben könnte.
Ich mag Weiß, ich mag Ziegelrot und ich mag Blau. Hier sind ein paar Touristen und dennoch ist es nicht touristisch im negativen Sinne. Es ist nicht laut, nicht voll, nicht zu bunt und nervig - ich finde alles sehr angenehm hier und die meisten Menschen haben eine nordische Zurückhaltung, in der ich mich eher finde als in der meiner Rheinländer.

In Neustadt wird mir viel gezeigt und erklärt. Was hat sich in den letzten 25 Jahren alles verändert? 
In einem Souvenirshop kann man Fisch in Dosen kaufen und per Post verschicken. Statt einer Postkarte. Ich halte mich trotzdem lieber an Karten. Die Marine und die BGS-See sind hier stationiert. Es gibt Fischbrötchen in allen Variationen. Die Sonne knallt auf die Köpfer der Beachvolleyballspielenden. Wildrosen beduften den Weg am Strand. Ein Gedenkfriedhof. Ein Tauchturm. Viele Boote.



Im Baltic Hotel wurden wir von der wohl freundlichsten Rezeptionistin der Welt empfangen und kamen sehr günstig, sehr zentral und angenehm unter.

Souvenir: Ein Druck nach Stahlstich von 1850







Am Abend sitzen junge Leute auf einem Steg und trinken Bier, während die Sonne untergeht, eine Gruppe älterer Menschen posiert vor einer Sehenswürdigkeit und lassen sich fotografieren, schauen auf die Uhr, um die nächste Schiffrundfahrt nicht zu verpassen. Die Tauben am Holstentor fliegen um die immergleichen Ziegelsteinöffnungen, in denen sie nisten wollen, wenn ihnen niemand zuvor kommt. Die Menschen sitzen hier im "Seewolf" und trinken Bier und essen guten Fisch oder probieren im Café Venezia das "beste Eis der Stadt", wie man mir versichert.
Hübsche kleine Cafés und Bars reihen sich aneinander, wurden jedoch vorerst nicht groß beachtet. Denn das große Ziel war klar: Das Buddenbrookhaus.

Die Mengstraße, in der eine Galerie der nächsten folgt, eine Jugendherberge, zwei Kinos (davon eines ein Zauber-Kino), eine Touristenführerin erklärt einer kleinen Gruppe auf englisch, was eine Babyklappe ist.

Die Buddenbrooks hat mich begeistert. Seit ich vor Jahren in meinem Leistungskurz das erste Mal mit dem Roman und Thomas Mann in Berührung kam und mein Lehrer auch noch inspirierender Mentor wurde, bin ich fasziniert. Wenn es ein Buch gäbe, was man gerne geschrieben hätte, so kann ich nicht verstehen, wieso man ein anderes wählen sollte. Es ist so komplex, so tief, so durchdacht.





















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