Über Schreibblockaden und das Gefühl, nicht gut genug zu sein

Es gibt ganz verschiedene Arten und Ursachen von Schreibblockaden. Zumindest irgendeine hat wohl fast jeder, der schreibt bereits m...




Es gibt ganz verschiedene Arten und Ursachen von Schreibblockaden. Zumindest irgendeine hat wohl fast jeder, der schreibt bereits mindestens ein Mal erlebt. Ich möchte mich hier einer ganz bestimmten widmen, die eine Sorge mit sich trägt: Kann ich vielleicht nie wieder etwas Gutes schreiben?

Angst & Selbstkritik


Es ist die Angst, nichts Gutes schreiben zu können oder nie wieder etwas Gutes schreiben zu können. Das nicht Wissen, wieso man überhaupt noch weiter schreiben soll und die Blockade, die daraus resultiert.

Was heißt überhaupt gut oder gut genug in dem Zusammenhang? Mache ich gut von mir abhängig, oder davon, inwiefern es kommerziell ankommen kann?

Dennoch: Auf Außenstehende hören kann von Vorteil sein. Gibt dir jemand einen Entwurf zum Lesen und fragt, was du davon hältst, ist das ein enormer Vertrauensbeweis. Wäre es für mich zumindest. Auch bei fertigen Produkten bin ich meist unsicher, ob ich es tatsächlich gelungen finde, bei einem Entwurf hingegen habe ich meist kaum ein gutes Wort über. Sehr selbstkritisch mag das sein, muss es aber auch sein, meiner Meinung nach.

Vor einer Weile las ich in meinen alten Notizbüchern und war überrascht. Es waren so viele Absätze, die ich gut fand und mich fragte, wieso ich daran nicht weiter geschrieben hatte. Und dann kam der nächste Gedanke, der allerdings ins Negative abfiel: Oh. Das, was ich schrieb ist besser als das, was ich jetzt schreibe. Sorge. Das Gefühl, stecken geblieben zu sein oder sogar schlechter geworden zu sein. Aus Angst davor, dass das Endprodukt ohnehin nicht gut sein wird, verfalle ich leicht dazu, gar nicht erst weiter zu schreiben.

Was bei mir jedoch auf jeden Fall ein Aspekt ist, den ich dabei im Auge behalten sollte: Ich bin selbstkritisch und mit mir selbst oft kritischer als mit anderen. Wenn ich nun alte Notizen von mir sehe, an die ich mich ggf. gar nicht mehr erinnern kann, sie jedenfalls nicht genau so formuliert noch in meinem Kopf habe, sehe ich auf Altes von mir vielleicht wie auf ein Werk einer fremden Person. Das ist manchmal der Grund, warum ich es besser finde als das, an dem ich jetzt gerade schreibe.






Du musst nicht ins kalte Wasser



Der erste Entwurf muss vor allem eines: Existieren. Mehr nicht.

Von wie vielen Autoren ich gehört habe, dass sie ihren Entwurf gelesen haben und schrecklich fanden oder ihn komplett neu umschrieben. Dass es ihn jedoch gab, nicht bloß als Disziplinsübung, sondern als großen Akt des Grundgerüsts, das sei enorm wichtig.

Write Drunk. Edit Sober. Sagte Hemingway sogar und ich glaube, dass er damit gar nicht falsch liegt. Ich würde für mich selbst jetzt nicht tatsächlich besoffen schreiben wollen oder mir das als neue Methodik überlegen, aber ich finde den Kern richtig, der auch Hemingways Grundthese stützt: Etwas ist vor allem auch dann gut, wenn es ehrlich ist. Wenn du etwas so herunter schreibst, wie du es es fühlst und darüber denkst, ohne darüber nachzudenken, ob "man das so schreiben kann". All das und die Form würde demnach erst nachträglich in der Bearbeitung kommen.

Ich darf nicht noch während des ersten Tippens Angst haben, dass all das falsch und schlecht ist. Ich muss es einfach tun und wenn es sich als falsch und schlecht entpuppt, dann muss ich es nun einmal ändern.

Was habe ich zu verlieren? Es wird zuvor nicht veröffentlicht, nicht verrissen und ist auch kein Zeugnis (m)eines Unvermögens. Wir müssen gar nicht erst ins kalte Wasser springen. Einfach bloß schreiben. Auch wenn selbst das ganz oft ein wenig Mut erfordert.




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  1. Deinen letzten Absatz würde ich so unterschreiben. Beim Schreiben, wie bei vielen Aktivitäten, geht es oft erst mal darum, es zu tun. Einfach darauf loszuschreiben, natürlich in dem Wissen, dass es nicht gut sein muss/sein wird. Aber wenn man etwas hat, kann man daran wenigstens etwas ändern.

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  2. Hey, ich hatte das auch vor 1 oder 2 Jahre ziemlich. Bei mir das auch durch die teilweise harte Textbesprechungen am Literaturinstitut. Man zensiert beim Schreiben immer auch mit, ob man will oder nicht. Es war, als hätte ich komplett vergessen, dass ich auch Texte schreiben kann, die ich dann nicht am Institut zeige. Aber als es mir dann sozusagen "eingefallen" ist, ging es trotzdem nicht. Und ich habe dann praktisch ein halbes/dreiviertel Jahr nicht geschrieben, bzw. nur wissenschaftlich. Das gute ist eben, dass ich auch noch Kunstgeschichte studiere, d.h. wenn ich nicht schreibe, habe ich immer noch das andere, was ich mache, in dem ich produktiv sein kann und von woher ich meine Anerkennung ziehe, wenn man so will. Ich bin glaube ich der Ansicht, dass das auch das beste ist, was man in solchen Fällen tun kann: Einfach nicht schreiben und ok damit sein. Das ist halt so. Stattdessen anderen Sachen machen: Zeichnen, Lesen (das hilft wirklich auch, vielleicht auch mal andere Gattungen! und theoretische Texte!), ins Museum gehn, kochen, vielleicht sogar ~Sport~. Schreiben funktioniert nur, meiner Ansicht nach, wenn man wirklich saubock auf eine Sache, ein Thema oder so hat. Oder so muss zumindest der Anfang sein, die harte Arbeit kommt eher danach. Und was Schreibblockaden angeht, denke ich, glaube ich, sowieso, dass das nur Plateaus vor der nächsten Stufe sind, man hat eben irgendwo doch erkannt, was dumm war am bisherigen Schreiben oder langweilig oder so. Ich weiß nicht, ob man da eine Problemlösung bewusst herbeiführen kann. Man kann eben nur für Input sorgen, vielleicht neues Umfeld. Ich hoffe, dir geht es gut :)

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  3. Dieser Eintrag von dir ist für mich eine Art Aufruf zum Neuanfang, zum waghalsiger werden, zum Ausblenden - schreiben und nichts weiter. Nicht über das schreiben nachdenken, sondern denken um zu schreiben. Danke dafür.

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