Eine Liebeserklärung an Olivenbäume und Mandelmilch.

Es war 2012 als es mit meinem Leistungskurs in die todgeweihte Sta dt ging: Venedig . Ich h örte mir von Herrn S. an, wieso die Seufzer...



Es war 2012 als es mit meinem Leistungskurs in die todgeweihte Stadt ging: Venedig. Ich hörte mir von Herrn S. an, wieso die Seufzerbrücke als solches bezeichnet wird und betrat kurz darauf den Markusplatz, Wir saßen abends am Strand und tranken Wein, redeten in die Nacht, während wir in Stockbetten lagen, besichtigten Villen und botanische Gärten und irrten in Gassen und auf Brücken durch die Stadt,. Wir bekamen das komplette Kulturprogramm und ich genoss es. 

Irgendwann musste es wieder zurück gehen. Noch am selben Abend meiner Ankunft in Wuppertal gehe ich abends auf eine Party, zu der ich geladen bin. Bei jemanden, der mich Jahre später als wichtigste Person in meinem Leben begleiten und mich zur nächsten Reise nach Italien bringen würde und mir zeigt, wo er die Sommer seiner Kindheit verbrachte.




2015. Ich werde nach Schiavonea gebracht, werde Menschen vorgestellt, bekomme etliche Orte und Dinge gezeigt. Man kennt sich hier aus und möchte, dass ich all das kennen lerne, möchte, dass ich mich wohl fühle. Ich lerne die Familie kennen, bekomme Essen von Nonna, laufe durch Gassen und Straßen, liege am Strand.


Schiavonea, Corigliano Calabro



Mittags haben die Geschäfte geschlossen und man trifft auf den Straßen und am Strand merklich weniger Menschen an. Zu heiß ist es in diesen Stunden. Während die anderen die italienische Version von Siesta machen, schreibe ich an einem Mittag eine Kurzgeschichte, die den Namen "Blutmond über Schiavonea" trägt und die ich nie zuende geführt habe.

Wir dürfen auf große Plantagen und fahren im heißgewordenen Auto des Plantagenbesitzers klapprig über den unebenen Weg. Uns wird erkärt, welche Zitrusfrüchte hier hängen, wann sie reif sind, wer sie von hier bezieht. Wir fahren an Mandarinen, Orangen, Clementinen und Kumquats vorbei, an Bambus, Oliven, Kräutern und Kaktusfeigen und Khaki.

Interessante Dinge passieren hier. Auf einer der großen Wiesen, an denen wir vorbei fahren, stand vor einer Weile der Papst und rügte die Mafia Machenschaften.

Komische Dinge passieren hier. Eine Taube fliegt in unsere Wohnung und wir sind alle kurz aufgeschreckt. Jemand tritt mit Flipflops in einen Nagel und hat eine kleine Wunde im Fuß. "Wann war noch gleich die letzte Tetanusimpfung?", fragt man sich kurz. Ich liege am heißen Strand mit geschlossenen Augen und bemerke ein komisches Jucken an meinen Waden. Vielleicht bloß meine Mückenstiche, denke ich. Als ich aufsehe entdecke ich jedoch Sandflöhe und laufe schnell ins Wasser.









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"Die Luft roch wie parfümiert", erzählt man mir am Frühstückstisch und schenkt mir Mandelmilch nach. Noch in dunklen Morgenstunden des nächsten Tages stellen wir uns vor die Bäckerei und warten bis das erste Gebäck fertig ist. Mit den warmen mit geschmolzener Schokolade gefüllten Teilchen setzen wir uns an den Strand und beobachten den Sonnenaufgang und die kleinen Fischerboote.

Wir sind an verschiedenen Stränden. Den steinigen, den sandigen, den volleren, den leereren. Ich liege am Strand, ich schwimme im Meer, habe Salz auf den Lippen und brennende Sonne auf der Haut. Mir wird das Schloss gezeigt. Ich werde von Mücken zerstochen.







Während wir uns die meiste Zeit in Fußnähe vom Strand in Schiavonea aufhielten, wo wir auch wohnten und auch einen Ausflug in die Altstadt mit Besichtigung d Burg hinter uns brachten und ich per Zufall schattige Abkühlung und das wunderschöne Innere einer Barockkirche entdeckte.









Castello di Corigliano Calabro
Piazza Guido Compagna 1, 87064 Corigliano Calabro CS, Italien












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Traurige Dinge passieren hier. In jeder Stadt steht irgendwo ein großes Schaubrett aufgestellt, auf der Todesanzeigen, große Blätter, nicht kleine Zeitungsschnipsel, angebracht sind. Wie Zeitung lesen nur im Dorf. Eine Oma steht davor und liest. Kennt sie jemanden?

Schöne Dinge passieren hier. Die Tochter des Nachbars heiratet und die Straßen feiern mit. Die Braut kommt, nach Stunden der Vorbereitung und des Wartens aller schick gemachten Gäste in langen Roben und Fliegen bestückten Hälsen, aus dem Haus. Man schaut von den Balkonen und den Fenstern hinab, macht hört das Staunen, das Klatschen. Man klatscht auch selbst oder winkt. Die Leute kennen sich seit der Kindheit und noch länger. Die älteren Frauen der Nachbarschaft sind mit Schüsseln voller Bonbons vor ihre Haustüren gegangen und werfen diese, bis die Braut in einem Auto verschwindet und zur Kirche gefahren wird.









Amarelli Fabbrica di Liquirizia
- dal 1731-
Contrada Amarelli, Rossano Stazione CS, Italien



In der Stadt ist die älteste Lakritz Herstellung der Welt. Unglücklicherweise mag ich Lakritz gar nicht, kaufe aber Mitbringsel für meine Familie aus dem kleinen und hübschen Souvernirshop. Hier ist alles traditionell und elegant gehalten, Tatsächliches vintage. Holzvertäfelungen, alte Schriftzüge auf Metalldöschen und Papierschächtelchen. Wir kaufen ein paar Stöcke, denke ich, und verstehe erst nachher dass das Süßholz ist und bin ganz fasziniert.













Camigliatello
Spezzano della Sila, (CS), Italien



Wir verbrachten einen Tag in Camigliatello. Eine Bergstadt, die scheinbar berühmt für ihre Pilze ist und wo man von einem duftenden Laden in den nächsten steigt. Wir sind weiter in die Wälder in den Bergen gefahren und haben danach ein Pilz Risotto gegessen.













Abends dreht man eine Runde. "Man macht den Pfau", bekomme ich lachend erzählt.Wir laufen am dunklen Strand entlang, an kleinen Ständen vorbei und über den Marktplatz, wo ich fast jeden Abend ein Pistacchio Eis esse.

Am letzten Abend werde ich zum Essen ausgeführt. In dem Restaurant, in dem wir sitzen, feiert im Außenbereich eine Familie eine Hochzeit. Es werden Reden gehalten, die ich nicht verstehe, Blicke ausgetauscht und ein Lachen gelacht, das mir aber nicht fremd ist. Irgendwann wird laut Musik gespielt und Karaoke gesungen. Englische und italienische Liebeslieder werden von Jung und Alt gemeinsam mal gut mal schlecht gesungen.












Auf dem Weg zurück fahren wir an der Stadt vorbei, von der Thomas von Aquin seinen Namen hat und erneut an all den Olivenhainen vorbei. Ich wünschte, ich könnte gut malen. Ich würde so gerne diese kühlgrünen fast silbrigen Blätter an den krummen Baumstämmen auf eine Leinwand zaubern können. Weil mir dieses Talent verwehrt bleibt, male ich mir einfach etwas aus, nämlich ein Leben in einer kleinen Hütte neben einer eigenen Plantage. Wie ich morgens aufwache und alles duftet nach Sonne und nach Sträuchern und schmeckt nach Mandelmilch oder dem Salz vom Meer und Pistazieneis.




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