When Breath Becomes Air - Bevor ich jetzt gehe

Paul Kalanithi ist Autor und Neurochirurg, wurde mit dem höchsten Nachwuchsforscherpreis der American Academy of Neurological Surgery ...




Paul Kalanithi ist Autor und Neurochirurg, wurde mit dem höchsten Nachwuchsforscherpreis der American Academy of Neurological Surgery für seine Forschung im Rahmes eines Postdoc-Stipendiums ausgezeichnet. Bevor er die Yale School of Medicine absolvierte, studierte Kalanithi in Stanford  und Cambridge Philosophie, Englische Literatur, Biologie und Wissenschaftsgeschichte.

Der Neurochirurg ist 36, als ihm zuerst schleichend selbst immer mehr Hinweise auffallen, bis er schließlich die Diagnose bekommt: Lungenkrebs.







In "Bevor ich jetzt gehe" beschreibt Kalanithi sein letztes Jahr mitsamt all den Gedanken, Motivationen, Resignationen und Hoffnung. Im Englischen trägt das Buch den Titel "When Breath Becomes Air" und trifft auf poetische Weise genau den Kern. Es ist die tragische Geschichte eines brillianten, weitsichtigen Menschen, der noch so viel Zukunft vor sich hatte. Seinen Weg durch Ziele, Zuversicht, Ängste und Familie. Seinen Weg zur und durch seine Krebserkrankung. Wenn Atem irgendwann zu Luft wird.

"Mir fiel auf, dass ich die fünf Trauerphasen – Nicht-Wahrhaben-Wollen, Wut, Verhandeln, Depression, Akzeptanz – durchlaufen hatte, aber in umgekehrter Reihenfolge. Bei der Diagnose war ich auf den Tod vorbereitet, ich akzeptierte ihn, war bereit", schreibt Kalanithi, "Als dann klar war, dass ich vielleicht gar nicht so schnell sterben würde – was ja an sich eine gute Nachricht ist, aber auch verwirrend und eigenartig entnervend -, war ich niedergeschlagen."
Kalanithi schreibt nicht sentimental, er schreibt aus seinem eigenen medizinischen Verständnis von dem, was gerade in ihm passiert, er schreibt von all den Gedanken, die durch ihn wandern. Wie lange noch? Monate, Jahre, ein Jahrzehnt? Wie kann es erträglich sein, seine Frau alleine zurückzulassen? Und sollten sie noch ein Kind kriegen, jetzt, wo es noch möglich ist? Wofür habe er noch Zeit? Was heißt Zeit überhaupt noch und ändert es überhaupt etwas, zu wissen, dass man stirbt, wenn man es eigentlich doch schon immer wusste?

„Mit der körperlichen Schwächung brachen die Träume und meine Identität in sich zusammen, ich steckte im selben existenziellen Dilemma wie sonst meine Patienten“, schreibt Kalanithi. „Der Tod, der mir bei der Arbeit so vertraut gewesen war, besuchte mich jetzt persönlich.“

Es ist die Dialektik, die so interessant ist. Der Arzt und Patient in einer Person, was sich genauso wenig widerspricht wie die Seite der Philosophie, seine Fragen nach dem Sinn und dem Tod, sowie die Seite der Medizin und Chirurgie. Was er als Arzt jahrelang bei einem nach dem anderen Patienten miterlebte, geschieht nun ihm selbst. Wovon er während seines Studiums so viel gelesen hatte, war nun existentiell für ihn.
Wie gehen wir mit Zeit und mit Sterblichkeit um? Bedeutet Arztsein der Versuch der Verschiebung des Todes oder der bestmöglichen Annahme dessen? Die Suche nach dem Sinn des Lebens in Literatur, in Gedanken kluger Menschen, in seiner Familie, sich selbst, seiner Berufung.  Die Geburt seines Kindes während der Annäherung an seinen eigenen Tod. Die vielversprechende Zukunft als Arzt, die nun abgebrochen wird. "Es ist nicht das Ende", sagt seine Ärztin zu ihm, "Es ist noch nicht einmal der Anfang vom Ende - es ist lediglich das Ende des Anfangs."

Die New York Times schreibt über die extreme Wirkung des Buches. Diese kommt einerseits dadurch zustande, dass Kalanithi ein brillianter, vielseitig gebildeter Mensch war und andererseits weil der Autor seine Erfahrung in einer besonderen Art und Weise schildert. Nichts sei rührselig oder übertrieben, sein leidenschaftliches Arbeiten, das Warten auf das Leben, das Lernen zu sterben.

Das Buch hat eine extreme Entstehungsgeschichte. Paul Kalanithi stirbt im März 2015 im Alter von 37 Jahren, noch bevor sein Buch erscheint.








Wer sich vor medizinischen termini oder genaueren sehr körperlichen Beschreibungen von Operationen und co. fürchtet, dem wird es manchmal vielleicht ein wenig zu viel sein. Aus ganz persönlichem Anlass waren für mich einige Trigger enthalten, auf die ich eigentlich gerne verzichtet hätte. Dennoch ist es nun eines meiner Lieblingsbücher.
„Er hat einen großen Teil seines Lebens mit der Frage gerungen, wie man ein sinnvolles Leben führt“, schreibt seine Frau Lucy Kalanithi auf den letzten Seiten. „Erleben Sie, wie Mut klingt, wie tapfer es ist, sich auf diese Weise zu offenbaren“, schreibt der Arzt und Autor Abraham Verghese im Vorwort.








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