Von Thales von Milet & dem Pergamonmuseum

{ Das Markttor von Milet } Bereits 600 vor Christus sagte jemand mithilfe langwieriger empirischer Beobachtungen eine Sonnenfinster...

{ Das Markttor von Milet }


Bereits 600 vor Christus sagte jemand mithilfe langwieriger empirischer Beobachtungen eine Sonnenfinsternis voraus. Es war Thales von Milet, der heute als der erste Vorsokratiker begriffen wird, als einer der sieben Weisen. Philosoph, Kosmologe, Geometer, Staatsmann, Ingenieur.
Platon beschreibt in einer Anekdote, wie Thales astronomische Beobachtungen anstellt und durch den konzentrierten Blick nach oben in einen ausgetrockneten Brunnen fällt. Eine Magd beobachtet dies und verspottet ihn, er sei zu begierig, die Dinge am Himmel kennen zu lernen, wisse aber nichts von dem, was vor seinen Füßen liege.

Im August verbrachten mein Freund und ich eine Woche in Berlin, wo wir meine Schwester besuchten und einiges erkundeten. Unter anderem eben auch das Pergamonmuseum. Als ich in der zehnten Klasse war, war ich zuletzt dort und konnte mich eigentlich nur noch an den Pergamonaltar mit der großen Treppe erinnern, die momentan aufgrund von Baurarbeiten im Museum gar nicht zu sehen ist.
Neben vielen kleineren Ausstellungsstücken und Statuen und der Ausstellung für islamische Kunst sind das Markttor von Milet, das Ischtar-Tor und die Prozessionsstraße aber wohl die (physisch und historisch) größten Bauten.











Mit dem Markttor von Milet konnte ich persönlich, sowohl vom Kontext her und meinem Studium, als auch ästhetisch, mehr anfangen. Es stammt aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus und ist ein römischer Torbau, der ein Teil eines Ensembles repräsentativer Bauten der südlichen Agora der kleinasiatischen Stadt Milet gehörte.

Eigentlich viel beeindruckender ist jedoch das Ischtar Tor, eines der Stadttore von Babylon und eines der sieben Weltwunder. Es wurde mitsamt der Prozessionsstraße 605-562 vor Christus errichtet und war Teil der Mauern von Babylon.


Das Ischtar Tor









Zurück zu Thales von Milet.

Aristoteles berichtet, man habe Thales aufgrund seiner Armut vorgehalten, die Philosophie nütze nichts. Als Reaktion darauf bemerkte Thales jedoch durch astronomische Studien, dass die Olivenernte in diesem Jahr hoch ausfallen werde und kaufte von seinem letzten Geld sämtliche Ölpressen in Milet und Chios. Zur Zeit der Ernte und der gesteigerten Nachfrage vermietete er diese teuer. Könne man mit Philosophie strategische Schritte einleiten und davon finanziell profitieren? Mit Sicherheit. Ist das die Bestrebung eines Philosophen? Wohl kaum.

Auch die Anekdote von Platon findet eine andere Auflösung. Das Unverständnis anderer ist kein Maßstab der Sinnhaftigkeit einer Tätigkeit wie der Philosophie oder jeder anderen Wissenschaft. Bloß weil jemand anderes keinen Zweck erkennt, zeige das in vielen Fällen mehr die unvermögende Erkenntnisfähigkeit, als die Wirklichkeit der Zielrichtung. Mittlerweile geht man zudem von einem Missverständnis aus. Thales soll gar nicht in den Brunnen gefallen sein. Es sei sehr üblich für Astronomen gewesen, sich in trocken gelegte Brunne zu stellen, um von da aus den Ausschnitt des Himmels zu beobachten. Sie gewährleistet eine bessere Konzentration auf ein eingegrenztes Feld, und weniger Streulicht.





Pergamonmuseum Berlin
Am Kupfergraben 5  10117 Berlin
Besuchereingang momentan über Bodestraße 1-3 neben dem Neuen Museum

Öffnungszeiten
Montag-Mittwoch 10:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag 10:00 - 20:00 Uhr
Freitag-Sonntag 10:00 - 18:00 Uhr

Eintrittspreis 12,00 € / Preis ermäßigt 6,00 €

Aufgrund Umbauarbeiten momentan nicht zu sehen:
Der Saal mit dem Pergamonaltar bis voraussichtlich 2019 geschlossen,  Nordflügel sowie der hellenistische Saal.
Der Südflügel des Pergamonmuseums mit dem Ischtar-Tor, der Prozessionsstraße und dem Marktor von Milet sowie dem Museum für Islamische Kunst bleibt weiterhin geöffnet.


You Might Also Like

0 x

COPYRIGHT


Soweit nicht anders angegeben, unterliegen alle Texte und Fotos dem Urheberrecht.
Eine Vervielfältigung oder Verwendung dieser und deren Veröffentlichung ist nur nach vorheriger Genehmigung gestattet.
Ich distanziere mich hiermit von den Inhalten verlinkter Seiten.

© 2016, janetki@web.de

DISCLAIMER