Don't fence me in! im Günter Grass Haus

Das Günter Grass-Haus ist selbst eine poetische Symbiose und ein stilles Kunstwerk. Während der Nobelpreisträger Günter Grass zu ...





Das Günter Grass-Haus ist selbst eine poetische Symbiose und ein stilles Kunstwerk. Während der Nobelpreisträger Günter Grass zu Lebzeiten noch sein Sekretariat im Haus hatte und wöchentlich im Grass-Haus vorbeischaute, ist das Museum bis heute ein Forum für Literatur und bildende Kunst.

Günter Grass, seinerseits mehr als Schriftsteller bekannt, war auch Bildhauer, Grafiker, Maler. Das Haus kombiniert diese Künste und führt sie zusammen. „Ein schreibender Zeichner ist jemand, der die Tinte nicht wechselt“, sagt Günter Grass.

2012 wurde das Museum, anlässlich des 85.  Geburtstages des Autors, komplett überarbeitet. Seit dem steht die Ausstellung "Das Ungenaue genau treffen" und thematisiert die Arbeit des Kuratierens. Zu Beginn des Rundgangs steht ein symbolischer Schreibtisch im Raum, auf denen sich in illustrierten Kreisen Bereiche zeigen, die den Schriftsteller, Grafiker und Bildhauer Grass betreffen. Welchen Bereich würde man selbst auswählen und in einer Ausstellung präsentieren?

Im Hauptraum kann man ohne Vorwissen das erste Mal stutzig werden. Wir sind im Museum eines Literatur Nobelpreisträgers und kein einziges Buch steht im Raum. Stattdessen zeigen 5 Themenkreise die Hauptthemen auf, die in der Ausstellung beleuchtet werden: Der Nationalsozialismus und seine Folgen, Politisches Engagement, Skandale, Literatur und bildende Kunst sowie Geschlechterverhältnisse. An interaktiven Medienstationen kann man je nach Interesse und Ausführlichkeit mehr Informationen durch Bilder, Fotos, Videos, Anekdoten und Tonaufzeichnungen bekommen. Wieso lag eine Ratte im Tiefkühlfach von Günter Grass und wieso machte er jede fünf Jahre an seinem Geburtstag einen Kopfstand? Wie früh kam seine Begeisterung zur Kunst, inwiefern spielen seine verstorbenen Onkel eine Rolle, die er nie kennen lernen konnte?

Ich selbst habe tatsächlich, außer weniger Gedichte, nichts von Grass gelesen. Schade eigentlich. Dennoch ist Grass als Person, Phänomen und in seinem Schaffen für mich sehr inspirierend. Da er eigentlich aus der bildenden Kunst kommt und dementsprechend einen ganz anderen und sehr bildlichen Zugang zum Schreiben hat, zeigt er für mich das Verschwimmen der Grenzen und Übergänge und zugleich den klaren Fokus des Darzustellenden.







Noch bis Ende des Monats kann die Sonderausstellung "Don't fence me in" angesehen werden, die frühe Bilder von Günter Grass zeigt. Der gleichnamige Song "Don't fence me in" von Roy Rogers spielt dabei eine Symbolrolle. Fotos vom - meiner Meinung nach übrigens gar nicht mal unattraktiven - jungen Günter Grass, erste Zeichnungen und Werke aus seinem Studium der Bildhauerei und Grafik an der Kunstakademie Düsseldorf. Verschiedene Stile, ein paar Gedichte, ein Einblick in seine Lebensphase. 

Erst 2013 wurde bekannt, dass sich eine über 150 Werke umfassende Sammlung von Studienarbeiten unter der Außentreppe seiner Düsseldorfer Atelierwohnung erhalten hat. Die Ausstellung zeigt diese Zeichnungen, Aquarelle und Plastiken aus dem Besitz der Günter und Ute Grass-Stiftung jetzt zum ersten Mal. Zudem werden erste unveröffentlichte Gedichte präsentiert sowie Auszüge aus den Manuskripten der „Blechtrommel“ (Literaturarchiv der Akademie der Künste, Berlin), „Beim Häuten der Zwiebel“ und „Vonne Endlichkait“ (Günter und Ute Grass-Stiftung), die rückblickend auf die Lehrjahre des bildenden Künstlers Bezug nehmen.







Günter Grass Haus
Adresse: Glockengießerstraße 21, 23552 Lübeck
Öffnungszeiten
01.01.-31.03. | Di-So | 11-17 Uhr
01.04.-31.12. | Mo-So | 10-17 Uhr
Eintritt: 7€,| ermäßigt 3,50€

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