Clinton & Trump - Das kleinere Übel und die Frauenfrage

Dies ist keine politische Analyse. Dies sind ein paar Gedanken, die bezüglich der Wahl habe. Über 6 Milliarden Dollar kostete der Wah...


Dies ist keine politische Analyse. Dies sind ein paar Gedanken, die bezüglich der Wahl habe.

Über 6 Milliarden Dollar kostete der Wahlkampf der USA in diesem Jahr. Und tatsächlich stehen sich Donald Trump und Hillary Clinton in diesem Jahr gegenüber und sind kurz davor, die mächtigste Person der Welt zu werden. 
Und kurz hat man das Gefühl, das ganze Land wurde gepranked und kann ausatmen und lachen, denn Obama oder Bernie Sanders übernehmen die Sache. Ist aber nicht so. Der Wahlkampf wird zur großen Show. Hunderte Konzerte all der großen Musiker. Interviews, FBI Skandale um Mailkontos und nicht aufhörende Skandale zu allem, was einem zu Sexismus einfällt und nächtliche Tweets eines Präsidentschaftskandidaten, die aussehen, als hätte sie der 12Jährige Cousin gepostet, für den man sich schämt. "Deep down", heißt es über Trump, "he wants do be Madonna."

Donald Trump wird in eine reiche Immobilien Familie geboren. Durch die Hilfe seines Vaters und das Vermögen der Familie gelingt es Trump in recht kurzer Zeit, ein enormen Imperium aufzubauen. Trump 2016 - Make America Great Again. Überarbeitung des Steuersystems, Unterstützung des Militärs, China Abkommen, Stärkung des Rechts, Waffen besitzen und tragen zu dürfen und die Neuregelung der Einwanderungsgesetze.
Hillary Diane Rodham wird ebenfalls in eine wohlhabende Familie hinein geboren, Jura Studium in Yale, Hochzeit mit Bill Clinton, durch den sie First Lady von Amerika wird. Nach außen hin unterstützt sie ihren Mann, fährt jedoch auch ihr eigenes politisches Programm. Sie wird zeitweise zur berühmtesten betrogenen Frau der Welt, im Jahr 2000 schließlich aber auch Senatorin für den US Bundesstaat New York und 2006 auch wieder gewählt. 2008 bewirbt sie sich zur Präsidentschaftskandidatur der Demokraten, die jedoch Barack Obama gewinnt und sie als Außenministerin aufstellt. 2012 zieht sich Clinton zurück bevor sie 2015 ihre nächste Präsidentschaftskandidatur verkündet. Auf Clintons Programm steht die Stärkung des Gesundheitsystems, Wirtschaftsunterstützung, Förderung Benachteiligter, sowie die Forderung von mehr Kriegseinsätzen.


Faszination und Hass Katalysator: Donald Trump

„Donald Trump liefert uns alles, um ihn zu hassen. Den Femnistinnen, dass er frauenfeindlich ist. Den Umweltschützern, dass er die Erderwärmung leugnet. Den Weltbürgern, dass er islamfeindlich ist. Alle hassen Trump. Außerdem hat er politisch keine Erfahrung. Der ist halt Unternehmer. Und kann pöbeln“, sagt EINHORHÖRNER in ihrem letzten Video.
Warum es solch ein aggressiver, plakativer und auf eine Weise ungebildeter Mann so weit schafft? Eben weil er all das ist.

Der Silicon-Valley-Unternehmer J.D. Vance hat in diesem Jahr das Buch „Hillbilly Elegy“ herausgebracht, in dem er sich mit diesem Phänomen beschäftigt. „Hillbillys“ sind  die große Randgruppe der eher verarmten Hinterwäldler, die sich Trump wünschen und ihn feiern. In der Provinz und trostlosen Kleinstädten, wo es jedem klar erscheint, dass jetzt gerade America nicht so „great“ ist, wo Politiker für das Böse selbst stehen und nur Macht wollen und scheinbar keine Rücksicht auf die Meinungen der weißen Unterschicht nehmen, sondern scheinbar „sogar“ Schwarze, Migranten, Schwule und Muslime mittlerweile mehr Rechte haben, als sie selbst. Ängste, Wut, Unverständnis. Der egoistische Politiker in einer ganzen Verschwörungstheorie und die Lügenpresse. Einige Parallelen zu Deutschland? Vielleicht.
„Manche seiner Unterstützer glauben, die Regierung verhindere, dass sie gut leben können und finanziellen Erfolg haben. Also sind sie gegen Regulierung und gegen Regierung“, sagt Philosophin Judith Butler in einem Interview, „das kann Steuern und Regulationen am Arbeitsplatz einschließen, die dafür gedacht sind, Gesundheit und Sicherheit von Arbeitern zu gewährleisten. Sie applaudieren Trump, weil er keine Steuern gezahlt hat, und denken, sie wäre auch gerne so  ein Mensch.“
Trump liefert einfache Antworten für alles. Egal wie komplex der Sachverhalt oder wie unrealistisch oder kurzfristig seine Antwort ist, immer hat er eine Lösung parat. Zudem baut er auf das große Fundament der Ablehnung gegen Einwanderung und den Frust der Menschen, die sich in vernachlässigt sehen. Trump propagiere zügellosen Hass und die Wut seiner Unterstützer sei enorm. „Nicht nur gegen Frauen, nicht nur gegen Minderheiten oder Migranten“, sagt Judith Butler, „Die Anhänger von Trump sind begeistert, dass er mit seiner ungehemmten Sprache ihre Wut entfesselt.“
Trump traue sich, Tabus zu brechen, „frei heraus zu reden“ (was unsereins manchmal Beleidigung, Diskriminierung und Dummheit nennt), „endlich mal ehrlich zu sein“ und Dinge anzusprechen, die sich sonst niemand traut zu sagen. Er ist die Gegenfigur zum politisches Establishment und das kommt an.








Ikone gegen Ikone, First Class gegen First Class, Symbol gegen Symbol

Was bei dieser Wahl klar ist: Es ist kein Kampf zweier Menschen oder Politiker. Es ist ein Kampf zwischen zwei ikonisierten Symbolen aus gleichen Reihen. Die amerikanische Oberschicht bringt zwei Menschen ins Rennen, die nicht so weit voneinander entfernt sind, wie man zu glauben meint. Beide haben den Ruf, ihre Auffassungen durchzusetzen, auch wenn sie damit gegen Regeln verstoßen, beide sind entfernt von etwas, was sich im linken Spektrum der Demokratie befindet und sie sind längst nicht mehr reine Subjekte, sie sind Symbole. Egal wer gewinnt, es ist der Gewinn „für etwas“ und nicht der, dieses Politikers.

Clinton ist not a saint

Kein Bericht über Hillary Clinton vergeht, ohne dass sie als Schatten hinter ihrem Mann gesehen wird, aus dem sie nach Jahrzehnten nun politisch ausgebrochen ist. Hat man jemanden wie Trump neben sich stehen wirkt man automatisch vielleicht noch kompenteter und moralischer als man eigentlich ohnehin schon ist.
Clinton ist stark mit der Wirtschaft und ihren Machtträgern sowie dem politischen Establishment verwoben. Wie authentisch ist da der Einsatz für die Armen, Schwachen und Benachteiligten? Hillary gilt als nicht kritikfähig und überging des Öfteren die Vorschriften, an die sie sich hätte halten müssten. Während ihrer Zeit als Außenministerin hat Clinton all ihre dienstlichen Mail über ihren privaten Account laufen lassen, gilt sowohl als fähige Diplomatin, nach außen hin als progressiv und kompetent, jedoch auch als skrupellos, kritikunfähig und opportunistisch.

Und da kommt er: Der feministische Teil. Muss man als Feministin nicht Hillary Clinton wählen? Nein. Muss man als Feministin nicht Donald Trump nicht wählen? Ja. 

Heidi Klum sitzt in einer amerikanischen Talkshow und sagt, sie wünsche sich Hillary Clinton als Präsidentin, weil es mal Zeit sei, dass es eine Frau tut. Tatsächlich wundert es mich nicht, dass jemand, der eine solch unreflektierte Sendung wie Germanys Next Topmodel anführt, in dem Moment nicht versteht, wie sexistisch und dämlich die Aussage ist.
Ich finde Clintons Biografie interessant und tatsächlich auch aus einer feministischen House of Cards Sichtweise. Sie allein aufgrund dessen zu wählen, wäre dumm. Sie aufgrund dessen zu wählen, weil ihr Gegner das schlimmere Übel ist, ist irgendwie auch dumm, aber in die Ecke gedrängt würde ich auch das für notwendig heißen. Ich hätte Clinton gewählt, weil die Alternative das Lächerlichste ist. Bernie Sanders wäre mir lieber gewesen. 

Der Sieg für den Feminismus

Ze.tt veröffentlichte zwei Artikel von zwei jungen Frauen, die diskutierten, ob Clintons Sieg der US Wahl ein Sieg für den Feminismus sei oder nicht. 

Hillarys Leben sei „zum Spiegel der modernen Frauenemanzipationsbewegung“ geworden, schreibt die Pro Seite, Kim Torster, die Hillary als Messias der Frauenbewegung sieht. Clintons „ Leben als junge Frau war geprägt von Geschlechterrollen“, ihre Laufbahn in der Politik, in der 97% aller Abgeordneten Männer sind, ein Leben in einer Zeit, die eine junge Frau ausbilden soll, sich als Ehefrau einflussreicher Männer auf Cocktailpartys gut unterhalten zu können, ihr Studium in Yale, wo sie eine von 27 Frauen unter 235 Studierenden ist un schließlich Anwältin wird und zu den 14% weiblichen Anwälten gehört. „Heute, als Frau im Rentenalter, könnte sie die Präsidentin der Vereinigten Staaten werden.“ 

Tessa Högele erwägt die Contra Seite: Hillary Clintons Wahlsieg sei kein Triumph für den Feminismus:
„Den Fakt, dass künftig vielleicht eine Frau das höchste Amt der USA belegt, sehe ich durchaus positiv. Es kann ein Schritt hin zu einer Welt sein, in der Journalist*innen nicht mehr darüber schreiben müssen, wie besonders und was für ein historisches Event es sei, dass eine Frau ein hohes politisches Amt inne hat“, schreibt Högele. Eben diese Journalist*innen feierten Clintons Wahlsieg als Sieg für den Feminismus, denn „die Gleichung lautet dabei meistens: Clinton = Frau = findet Gleichberechtigung gut = Feministin. Die Gleichung ist falsch. Denn nicht jede Frau und auch nicht jede Frau, die sich für Geschlechtergleichheit einsetzt, ist eine Feministin.“

Auch die Annahme, der Gewinn einer Frau, die sich für Gleichberechtigung einsetze, werde nun durch ihre Macht eben dies schnell verwirklichen können, ist eine falsche. „Das steht außerhalb ihrer Macht. Denn Hillary Clinton wird (aller Wahrscheinlichkeit nach) führender Kopf eines politischen Systems, das durch und durch von Männern geprägt ist. Im Senat und dem Repräsentantenhaus, den beiden Kammern des US-Kongresses, sitzen derzeit zu 80 Prozent Männer. Und auch in der kommenden Legislaturperiode ist damit zu rechnen. Bedeutet: Überwiegend Männer entscheiden darüber, ob Frauen abtreiben dürfen oder nicht. Männer entscheiden darüber, wie die Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern zu schließen sei. Und Männer entscheiden darüber, wie physische Gewalt gegen Frauen (die überwiegend von Männern ausgeübt wird) bekämpft werden kann.“ Die erste Frau an der Spitze der Macht ist ein Schritt für mehr Weiblichkeit in Machtpositionen, aber ändere „auch nichts daran, dass wir in einer Gesellschaft leben, die von Männern geprägt wird.“

Torster sieht in Clinton eine Wegbereiterin für Frauen in der Politik, die nun nach langen Hintenanstehen hinter ihrem Mann, ihre eigenen Ambitionen verteidigen und durchsetzen kann. Clinton will eine Mindestlohnerhöhung, bezahlten Elternurlaub voranbringen und habe „eine starke Symbolik“ und  "am Ende ging es nie wirklich darum, eine Kandidatin zu wählen, nur weil sie eine Frau ist“, schreibt Torster, „Es geht darum, dass der Sieg einer Frau im Rennen um das höchste Amt der USA endlich zum Greifen nahe ist“, schreibt sie jedoch im Satz danach.

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