Wupper East Side - Eine kleine Liebeserklärung an Wuppertal.

Es ist immer das Gleiche, wenn ich gefragt werde, wo ich wohne. Erzähle ich dazu, wo ich aufgewachsen bin und in welcher Stadt ich studiere...

Es ist immer das Gleiche, wenn ich gefragt werde, wo ich wohne. Erzähle ich dazu, wo ich aufgewachsen bin und in welcher Stadt ich studiere und arbeite, raufen sich die Menschen reihenweise die Haare. „Du wohnst in … Wuppertal? Freiwillig? Dein Ernst?“ kommt es den Leuten abwertend über die Lippen. Erwidere ich dann in einem schwärmenden Ton, wie gerne ich hier wohne, geben die allermeisten einfach auf.

Hands down, ich hätte sehr lange Zeit auch nicht in Erwägung gezogen, hier einmal hinzuziehen. Nach 11 Monaten im Bergischen Land möchte ich nun nicht mehr weg, habe mir ein wunderbares, erstrebenswertes Leben aufgebaut und kenne die versteckten Ecken und Abkürzungen.

Wenn man in Wuppertal auf einen Berg in den 4.Stock zieht, bedeutet dies auf jeden Fall eines – every day is leg day. Und da ich sowieso sehr selten bis gar nicht in Klubs gehe, wird mir das Kollegah vielleicht auch verzeihen. Natürlich sind achtzig Stufen in unserem 1920 erbauten Haus kein Zuckerschlecken, an manchen Tagen wäre ich fast bei den Nachbarn in unteren Etagen eingezogen, aber sobald die Wohnungstür hinter mir ins Schloss fällt, ist alles wieder gut.

So eine Dachgeschosswohnung auf einem Berg im bergischen Land hat sehr viele Vorzüge. Mein größter Stolz ist der Ausblick. während ich auf der Nordseite, die mein Schlafzimmer, mein Wohnzimmer und mein Esszimmer beherbergt, auf viele grüne Bäume und eine dahinter versteckte Kleingartenanlage schaue, verurssacht die Südseite bei jedem Blick immer und immer wieder freudiges Kribbeln in der Magengegend.

Fast jeden Morgen stehe ich mit einer Tasse heißem Kaffee am offenen Fenster meiner Küche, sehe der Sonne dabei zu, wie sie langsam aber die Stadt mit Licht füllt und atme die klare Luft tief ein. Nicht selten rutscht mir dabei ein kleiner Seufzer voller Zufriedenheit heraus. Um das Bild zu komplementieren, darf eine vorbeifahrende Schwebebahn nicht fehlen. Auch wenn viele es nicht verstehen können: ich liebe dieses Geräusch. In den 1 1/2 Jahren, in denen ich nun hier wohne, drückt es im ganz großen Stil „Zuhause“ aus.





Ähnlich geht es mir, wenn ich mir abends im Bad die Zähne putze. Die dunkle Stadt, voller kleiner Lichter, liegt mir zu Füßen, die letzte Schwebebahn für diesen Tag fährt in die Station, die ich von meinem Fenster aus sehen kann, ein, die Uni leuchtet erhaben über der Innenstadt, der Wald zu anderen Hand rauscht leise vom Wand und irgendwo hört jemand noch laut Musik. Oder, seltener, mit einem Glas Wein an oben genannten Küchenfenster lehne.

Dieser Ausblick und alles, was er in mir auslöst, ist es wert, achtzig verdammte Treppenstufen in diesem Altbau zu erklimmen.






 „Es muss nicht immer Berlin sein“. Nein, auch hier lässt es sich durchaus gut und abenteuerlich leben. Deshalb möchte ich die Reihe „Wupper East Side“, an Ahnlehnung an Gossip Girl und die New Yorker Upper East Side, starten. Hier und da die schönen, bunten Orte in dieser grauen Stadt ohne Meer präsentieren, Anekdoten und Geheimtipps liefern, meine Lieblingsplätze teilen. Bei Instagram finden sich unter #wuppereastside bereits einige Schnap(s)schüsse des letzten Jahres.

Vor ein paar Tagen, bei bestem Kaiserwetter, habe ich meine Kamera entstaubt, die Sonnenbrille aufgesetzt und bin durch die Straßen meines Viertels gelaufen, habe hier und da geknipst und mich noch einmal Hals über Kopf in mein Zuhause verliebt. Dabei habe ich neue Straßen entdeckt, wurde von Erinnerungen überflutet und habe in Glückseligkeit gebadet.

Und wo genau ist das? Der Ort, an dem es in Wuppertal so schön ist, dass er Berlin-Friedrichshain und dem Hamburger Schanzenviertel als Underdog Konkurrenz machen kann?




Willkommen in Wuppertal-Elberfeld, genauer gesagt auf dem Ölberg. Das ehemalige Arbeiterviertel, welches mit wunderschönen Häusern aus der Gründerzeit bestückt ist, findet sich in der Elberfelder Nordstadt und glänzt durch seine multi-kulturelle Nachbarschaft. Endlose Treppen und verwinkelte Einbahnstraßen treffen auf Graffiti, Kneipen und preiswertes Bier im Kiosk seines Vertrauens. Hier ist man lieber zu Fuß als mit dem Auto unterwegs, denn Parkplätze gibt es im Gegensatz zu netten Menschen hier sehr wenige.

Dieser Kiez ist mein Zuhause.







Ein Text von Anna, der zuvor hier und hier auf ihrem Blog Randale & Liebe veröffentlicht wurde.

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