Die Unerhörten, die Ungehörten

Die Wahlen in Großbritannien um den "Brexit" und die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten waren für viele von uns Über...

Die Wahlen in Großbritannien um den "Brexit" und die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten waren für viele von uns Überraschungsmomente. Man wusste, es würde knapp ausgehen, es  würde ein Kopfankopfrennen werden, doch immer implizierte es die Hoffnung und die Erwartung, es würde schon klappen.

Wir, die das hier gerade lesen, sind nicht unbedingt die Mitte, sind nicht das, was sozial darunter liegt.Wir machen regelmäßig Urlaub, wir sind genervt von schlechter Internet Verbindung, sind politisch auf verschiedene Art und weiße, gehen shoppen, schauen Serien auf Netflix, wir gucken über Satire Nachrichten und lachen und glauben mittlerweile fast, dass Witz der einzige Sinn und Zweck hinter Satire ist. Die Vielzahl von uns hat Abitur, studiert vielleicht, ist jung, kommt nicht aus Familien, die jeden Monat auf's Neue um ihre Existenz kämpfen müssen. Wir sind diejenigen, die als Bildungsgewinner bezeichnet werden, wir haben Möglichkeiten und mehr Perspektive als andere Menschen.

Die Entscheidungen wurden von denen gefällt, die wir als die „Abgehängten“ bezeichnen. Menschen, die sich vernachlässigt fühlen, vom Staat, von der Gesellschaft, von Politikern, die scheinbar jeder Minderheit helfen, nur nicht ihnen und von Medien, in denen sie nicht einmal auftauchen. Menschen, die sich abgelehnt, vergessen, übersehen fühlen?

In der WELT erscheinen Bekenntnisse eines angeblich "Abgehängten". Er ist 61, geboren auf  einem Einödhof im Süden Oberbayerns.  "Nur habe ich das Gefühl, dass meine Äußerungen nicht mehr zählen sollen. Bei vielen Themen ist das so, aber nehmen wir nur mal zwei, die Flüchtlingsfrage und die Homo-Ehe," sagt er. "Zur Homo-Ehe: Wenn zwei Männer zusammenleben, dann habe ich damit kein Problem. Aber die Ehe ist Mann und Frau vorbehalten, die zusammen Kinder zeugen. Ich bin gegen die Adoption von Kindern durch zwei Männer, weil ich glaube, dass die Kinder darunter leiden. So sehe ich das."
Der angebliche Abgehängte war nach seinem Hauptschulabschluss rund 30 Jahre lang Lastwagenfahrer und lebt seit 25 Jahren in einer Kleinstadt im Allgäu, inzwischen als städtischer Arbeiter. Sehen wir herab, wenn wir von ihnen sprechen? Sie, die manche "Globalisierungsverlierer" nennen, sie, die manchmal "Wir sind das Volk" sagen. Sind sie Hinterwäldler, die bloß noch nie in Berührung mit Ausländern gekommen sind? Sind es Verlierer eines Sozialsystems? Sind sie nicht gebildet genug? Sind wir arrogant, wenn wir auf sie blicken, diese anderen?
"Wenn ich aber den Fernseher einschalte, (...) da kommen Menschen mit meiner Meinung kaum vor – und wenn doch, werden sie mit etwas Glück belächelt, mit weniger Glück gleich in die rechte Ecke gestellt. In dieser Gefahr fühle ich mich auch. (...) ich kenne auch Menschen, die ihren Job verloren haben, weil ihre Firma dichtmachte, manche mit Mitte 50. Und die dann nach zwei Jahren in Hartz IV gefallen sind. Nach 35 Jahren Arbeit. Aber in der Flüchtlingskrise ist plötzlich die Großzügigkeit zurück – und es ist alternativlos, Milliarden in die Sozialsysteme zu pumpen."





Werden sie noch gehört? Die normalen Menschen? Sind sie noch Gesprächsthema? "Nein", haben sie im Gefühl und wählen gegen ein System. Die Hoffnung auf Granaten, die das System zersprengen. Das Sytem der korrupte Politiker. Damals kamen die Piraten, mit neuen Ansätzen, sie waren die Underdogs, die Anderen, die Neuen, die Transparenz herstellen und Politik nicht mehr denen überlassen, die so fern erscheinen, überlassen wollten. "Politik hat das Ziel, alle Menschen möglichst glücklich zu machen", schreibt Marina Weisband, ehemalige politische Geschäftsführerin der Piraten Partei Deutschland. "Alte Männer in grauen Anzügen sitzen in Hinterzimmern und reden über Dinge, von denen sie insgeheim oft überfordert sind. Sie treffen Entscheidungen, die denen nützen, deren Einfluss am größten ist."

Davon profitieren Populisten. Populisten, die versprechen, es würde nun great again werden, sie würden den Untergang des Abendlandes verhindern, dem Volk wieder eine Stimme geben.
Brexit war ein Knall. Trump eine Bombe. Und in dieses laute Konzert will sich auch die Afd einreihen. - Nicht jeder Trump Wähler, Hofer Wähler und Afd Unterstützer hasst Schwarze, Ausländer, Homosexuelle und Frauen. Sie wollen gehört werden, umwerfen, wollen aufschreien, wollen nicht die letzten sein. Aber jeder dieser Wähler nimmt Hass gegen ebendiese Gruppen in kauf, duldet oder legitimiert ihn. 

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