Influencer killed the blogger star.

Damals. Als das Internet noch schwarzweiß, Studi-VZ noch existent, man mehr Achtung vor Boris Becker und Lothar Matthäus hatte un...





Damals. Als das Internet noch schwarzweiß, Studi-VZ noch existent, man mehr Achtung vor Boris Becker und Lothar Matthäus hatte und Ed Hardy kurz trendy war. Als die größten Youtube Stars noch Jasmin, Nilam und Reni waren, die etwas wie Pranks und Challenges noch nicht kannten. Als Clickbait noch keine Systematik war, der man sich bewusst bediente und die Dimensionen von Followerschaft kleiner, aber dankbarer war. Als Masha noch rothaarig war und intime emotionale Texte schrieb, als Jana Seelig noch keine Autorin und Anna Frost noch Fashion Puppe und nicht Fafine, Milena noch millemusings war und mit geblümten Kleidern in ihrem Zimmer unter goldenen Vintagerahmen und Geweihen saß, wie es Andrea Morgenstern und viele anderen auch taten.
"I'm not an influencer, I'm a blogger" steht in Janas - bekleidet -  Instagram Caption. Während manch einer vielleicht die Stirn runzelt und sich fragt, ob das nicht das gleiche ist, kennen manche noch die deutschen Fashion Blogger der ersten Stunde.
Junge Studentinnen, die sich in ihrem Kinder- oder WG-Zimmer vor der Raufasertapete fotografierten und ihre Meinung ungeschönt auf ihren Blog posteten und Artikel verfassten. Noch bevor es #ootds gab, noch bevor es überhaupt Hashtags gab und bevor die Szene kommerzialisiert wurde.

Blogger und Youtuber werden als Werbepotential entdeckt. Durch Produktplazierung, Sponsoring und Werbung werden sie vergütet und bezahlt und finden sich in einem Beruf wieder, den sie selbst als ein paar der ersten Menschen betreten, gar geschaffen haben. Die Studentinnen führen ihre Blogs weiter, werden professioneller, organisieren Shootings, gewinnen an Sachverstand in der Modewelt, satteln zum Teil in die PR und Social Media Marketing um oder werden Content Creator. Cailin, Dustin, Josie, Mau und co. werden auf die Fashion Week geladen, landen auf Street Style in Modemagazinen und feiern ihre Zeit. Sie zeigen: Man kann dort hin kommen, man kann geladen, kann Teil der Szene werden. Zeit vergeht, das Internet wächst, die Affinität und die Szene auch und wird mit neuen Kanälen erweitert. Während es noch relativ (...) erklärbar war, was ein Blogger oder Youtuber ist, wird es schwerer, seiner Oma zu erklären, dass man Instagram Influencer ist und was das nun bedeutet und mit sich bringt.

Instagram Sternchen, die das Internet mit Bildern ihrer trainierten Körper, lässigen Outfitposts vor dem Eiffelturm und #Goals auf jeder Ebene erobert. Die große Fitnesswelle ergießt sich über den Globus und Fashion allein ist langsam verpönt und wird zu etwas wie Travel & Inspire umgeformt. Ein Land wird erkundet, man zeigt das Flugunternehmen, ein Frühstücksbild und das schöne fünf Sterne Hotel. Pinterest Quotes werden geteilt. Es ist cleaner. Konformer. Glatter. Weiße Bettwäsche, Diptyque Kerzen und fotogene Pancakes, die genau so nichtssagend sind, wie die Meinung, die man öffentlich nicht mehr äußert. Niemanden verlieren, nichts wagen, aber inspiren und inspiren. Dabei machen sie vor allem eins: Schleichwerbung durch Influencer Marketing.




Geld damit verdienen, Texte, Bilder und Videos ins Internet zu stellen, für die man entweder durch Werbeklicks auf Anzeigen oder einzelne Kooperationen bezahlt wird. Aber wie genau funktioniert das? Wieviel ist das? Woran kann man erkennen, was eine Werbung ist und was nicht? Wer kennzeichnet und unterlässt es einfach? Welche Marken finden sie tatsächlich gut? Für welche werden sie bezahlt? Wie werden sie überhaupt bezahlt? 
Welche Rolle spielt Werbung und welche, Authentizität? Sind Prominenzstatus und Reichweite sind die neuen Schlüsselbegriffe? Bei der diesjährigen Menswear Show von Dolce & Gabbana liefen statt Laufstegmodels Influencer, darunter Caro Daur und Stefanie Giesinger. Bereits 2010 überraschte Dolce & Gabbana mit der #DGMillenials Kampagne, die den Einfluss und den Status der Social Media Stars für sich nutzte. Sie seien nahbarer, sie demokratisieren das Business.

Amelie Kahl - einst windcriesamy, heute Bloggerin und Teil von amazed - wurde ihrerseits auf der Fashion Week in diesem Januar vor einer Show des Platzes verwiesen, da sie die Veranstaltung des letzten Jahres und den Umschwung an Fokus und geladenem Publikum in einem Artikel kritisierte.
"Instagram regiert heute die Modeszene, und auf Instagram hat Kritik keinen Platz. Zwischen teuren Beautyprodukten, cremefarbenen Wohnungen, leicht gewelltem Haar und pastellfarbenen Hausfassaden passiert für die Mehrheit der Modeszene nicht viel auf Instagram", schreibt Amelie,   "Das führt dazu, dass sich die Feeds gewisser Influencer kaum unterscheiden. Sie kreieren eine Scheinwelt und zeigen das, was die Mehrheit der Menschen sehen möchte: nudefarbene Lippenstifte, Taschen von Chanel und Coffee Artwork. Obwohl ich mich frage, ob sich die Instagram-User so langsam nicht an den aufpolierten Fotos satt gesehen haben (sie haben es offensichtlich nicht), habe ich höchsten Respekt vor der anstrengenden Arbeit, die hinter den hübschen Fotos steckt. Influencer müssen gut aussehen, ihr Leben auf unterschiedlichen Social Media Kanälen dokumentieren, ständig unterwegs und immer gut gelaunt sein. Ein zehrendes, nie aufhörendes Arbeitspensum, über das man sich nicht beschweren darf. Was mich allerdings stört, ist, was Influencer dieser Art repräsentieren: nämlich nichts."

Die Welt wird schneller und der Internet Konsum auch. Während man sich weniger gezielt durch Blogs klickt und Artikel liest, reichen ein paar Bilder im Instafeed und auf Snapchat. Was geht so ab in der Welt? Instagram killed the Blogger Star, denn Instagram ist visueller und einfacher zu konsumieren. Überdurchschnittlich durchschnittlich in einer Scheinwelt von Herzchen und kaufbaren Followern und bezahlten Verträgen. Instagram Influencer sind nicht dumm. Sie sind nicht faul, sondern sogar sehr geschickt, in dem, was sie tun. Aber was ist echt? Ist der Grund, warum das Influencer Dasein so schlecht zu definieren ist, der, dass nicht offen darüber geredet wird, was dieser Beruf mit sich bringt? Transparenz geht verloren und damit einher ein Stück weit Authentizität. Mut geht verloren und damit auch Individualität. Wann wird wieder Inhalt geschaffen und nicht nur sein Gesicht hingehalten?





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7 x

  1. Ganz, ganz toll formuliert und perfekt auf den Punkt gebracht! Ich mag deinen Schreibstil und schaue jetzt bestimmt öfter vorbei!

    Danke dafür!

    Liebste Grüße,
    Ally

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  2. Dropping all those names like it's 2010/2011 again. daaammnn :D
    Finde, du hast das Problem sehr gut geschildert! Schade, dass wir doch ein Mainstream Produkt geworden sind, und Mainstream wünscht nun mal selten Individualität und Vielfalt.
    Das schöne an Blogs war doch, dass jeder anders war und somit seine Niche, seine Leute angezogen hat. Man musste nicht dem Mainstream gefallen, um wichtig/ ein guter Blogger zu sein. Aber ein guter Instagramer bist du nur dann, wenn du eine bestimmte Anzahl an Follower hast. Eine bestimmte Anzahl an Follower kriegst du nur dann, wenn du einen bestimmten Feed hast.
    Auf Blogs haben wir unsere Leser erzogen, auf Instagram funktioniert das nicht. Man kann ja nicht mal mehr als 3 Zeilen schreiben, ohne dass das unter "Read More" verschwindet!!

    Instagram, was einst nur eine Ergänzung sein sollte, steht nun über dem Blog, weil dort mehr Leute geinfluenced werden können. (*eye rollllllllllllllllllll*)
    Dass die Followerzahlen verschönert worden sind, juckt keinen. Dass wir uns einen artificial Standard gesetzt haben (100k oder du bist bedeutungslos), dem wir gerecht werden müssen, juckt auch keinen. Genauso wenig wie all die gephotoshoppten Insta Bilder. Aber das erkennt sowieso keiner mehr.. siehe Jana und Alix Instagram Joke turned sick revelation..

    Love Lois xxx

    http://lisforlois.blogspot.com/

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  3. Keine Ahnung, Janet.
    Aber hoffentlich erlebt der Content bald seine Renaissance...

    xx Ana www.disasterdiary.de

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  4. So wie sich das liest, bin ich froh, nur ab und zu mal in die Fashionbloggerszene zu schnuppern. Ansonsten bin ich bei den Foodies zu Hause. Auch hier gibt es natürlich die "Großen", die ins Fernsehen gehen, Strecken in Magazinen bekommen etc., aber wir sind doch insgesamt noch so bedeutungslos, dass viele dieser Probleme im Modebereich uns (noch?) nicht erreicht haben.

    Ich finde übrigens nicht, dass man angeben sollte, wie viel man für eine Kooperation bekommt. Dass klar und deutlich gekennzeichnet werden sollte, wenn Geld fließt, finde ich richtig - aber auch Zeitschriften schreiben ja neben dem Wort "Anzeige" nicht den Anzeigenpreis. Das geht zwar aus deren Preisliste hervor - aber bei Bloggern, Influencern etc. ist das halt noch Verhandlungssache und das finde ich ok. Oder hab ich dich da einfach falsch verstanden?

    Liebe Grüße

    Carolin

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  5. Das finde ich mal einen richtig geilen Artikel!!! ich bin zwar gar nicht in der Szene drin, aber als einfacher follower nervt mich das gewaltig und zwar beim Blog & auch auf Instagram .. immer dieses Show & Shine und keine vernünftige Meinung mehr dazu haben ... alles ist so gestellt, vieles ist bezahlt und für noch viel mehr wird Werbung gemacht ... ich finde ein Otto-normal-Verbraucher kann sich diese Dinge aber gar nicht leisten ... 5 Sterne Hotel und LV Handtasche ... sehr guter Artikel jedenfalls!!!

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  6. Du hast alles auf den Punkt gebracht, und ich erinnere mich an die guten alten Zeiten gern zurück. Sie waren von Stil her unkompliziert & authentisch. Ich bin leidenschaftliche Bloggerin und der Blig bleibt bei mir auch als erster Stelle. Instagram hätte nur einen"Nice to have" bleiben sollen.

    Liebste Grüße Sasi

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