Merkel Looks - Weiblichkeit und Neutralität

Im Februar diesen Jahres zeigt sich Markus Lanz als Mario Barth der Journalisten. "Was würden Sie Angela Merkel jetzt optisch raten?&q...

Im Februar diesen Jahres zeigt sich Markus Lanz als Mario Barth der Journalisten. "Was würden Sie Angela Merkel jetzt optisch raten?", fragt er einen seiner Gäste in der Sendung vom 14. Februar. "Mir fällt immer auf... also Frauen... Frauen verändern sich ja so optisch in der Politik, dass du sie irgendwann ja gar nicht mehr als Frauen wahrnimmst."
Michael Spreng, Kommunikations- und Politikberater weiß zuerst nicht viel mit dieser Beobachtung des Talkshow Moderators anzufangen. Er wolle da nicht drüber diskutieren, weicht er aus. "Entschuldigung", sagt er, "also über diesen speziellen Aspekt, dass ich sie nicht mehr als Frau wahrnehme. Natürlich ist sie eine Frau und viele Frauen fühlen sich von ihr repräsentiert."
Lanz ginge es aber um die Wahrnehmung von Angela Merkel: "Es geht um die Frage: Wie weit musst du dich zurücknehmen, um in diesem Männerbetrieb irgendwie dich da durchzusetzen."

Spielt Merkels Aussehen eine Rolle für ihre Politik? Spielt es eine Rolle für ihre Glaubwürdigkeit, Seriosität und Beliebtheit? Spielt es eine Rolle, wenn es um den Status als Frau geht?





Hm. Inwieweit spielt die optisch ausgereizte Weiblichkeit (und was soll das überhaupt sein?) in der Politik eine Rolle, "um sich im Männerbetrieb durchzusetzen"? Wird sie ernster genommen, wenn sie Lippenstift trägt? Und sind Frauen ohne Lippenstift, ohne langes Haar dann keine Frauen? Oder worum geht es Lanz da?
Geht es um journalistische Auseinandersetzung, findet Merkels Kleidungsstil sonst höchstens in der Gala eine prominente Rolle und als ich in einem anderen Artikel einst die originalen Sätze "Doch was ist das Geheimnis hinter ihrem zeitlosen Auftreten? Make-up-Artist Boris Entrup (38) hat für spot on news den Merkel-Look analysiert" las, wusste ich nicht, ob ich lachen, weinen oder so lange den Kopf schütteln sollte, bis ich sie wieder vergesse. Entrups Ratschlag an die Kanzlerin, sie solle Lipliner benutzen macht es auch nicht gerade besser.

Dass Merkels Politik ungeachtet von ihrem Äußeren ist, sollte klar sein. Sie ist weder dem Zufall geschuldet, dass die ehemals Angela Dorothea Kasner seit jeher eine Frau ist, noch daran, wie ihr Erscheinungsbild zu bewerten ist, während sie die Verträge unterschreibt, die unser Land verändern.
Dass ihr Aussehen dennoch eine Wirkung hervorbringt ist nicht zu bestreiten. Merkel landet – im Gegensatz zu Sahra Wagenknecht – nicht auf Listen wie "Sexiest Politikerin" und der durchschnittliche Deutsche findet sie optisch langweilig und unauffällig oder unattraktiv. "Die macht nichts aus sich", sagen einige.
Mutti wird Merkel genannt, weil sie symbolisch diejenige sein soll, die auf das Land achtet, sich darum kümmert. Das recht neutrale Muttisein ist aber auch der fehlenden Sexualisierbarkeit Merkels geschuldet. Man vertraut ihr. Man traut ihr vielleicht auch deswegen mehr zu. Sexy sein ist und fraulich wirken stehen auch nicht in ihrem Aufgabenbereich. 

Die Amerikanetin Alana Johnson hat den Instagram Account Merkel Looks (@merkellooks)ins Leben gerufen, auf dem sie Fotos der Kanzlerin, ihrer Outfits, Looks und Auftritte postet. Der Account ist eine deutsche Version von Johnsons Instagram Account @hillarylooks, der fast 13.000 Follower hat und alte und aktuelle Bilder von Hillary Clinton mit Föhnfrisur und Kostüm zeigt.
Klickt man sich durch die Bilder der Kanzlerin kann einem klar werden, dass sie ja doch nicht immer die komplett gleiche Kleidung trägt. Unter all den farbigen Blazern, den Ketten, den Kostümen, Kleidern, den Karos, Kajalstrichen, Frisuren oder Blazern sieht man aber vor allem eines: Wie Merkel als einstige Physikerin und aktuelle Bundeskanzlerin ihren Job macht.














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