Mehr als mein Körper

Bist du zufrieden mit deinem Körper? Ist er zu dick? Zu unförmig? Könnte alles ein wenig straffer, die Brüste ein wenig größer,...




Bist du zufrieden mit deinem Körper? Ist er zu dick? Zu unförmig? Könnte alles ein wenig straffer, die Brüste ein wenig größer, die Wangenknochen höher, die Wimpern länger, der Glow strahlender, das Haar voluminöser und alles insgesamt gern ein wenig anders sein? Bist du mehr so die Süße? Die Heiße? Die Sportliche? Die Blonde? Die Dicke? Die Zierliche?
Genau genommen bist du ein Mensch mit einem Körper, den man auf welche Weise auch immer beschreiben oder sogar bewerten könnte, aber du bist nicht nur dein Körper.

Ich habe einen Körper. Und ich kümmere mich um ihn und finde es auch gut, wenn er funktioniert und in meinen Augen gut aussieht. Aber er ist nicht identisch mit mir. Ich bin mehr als Dinge, die man mit ihm tun kann, Funktionen, die er erfüllt und die Oberfläche, die von anderen und mir betrachtet wird.
Würde man deine Freunde fragen, weswegen sie dich mögen, oder deinen Partner und deine Familie, warum sie dich lieben. Würde man Menschen, die dich bewundern und gerne Zeit mit dir verbringen fragen, warum sie dich schätzen, dann würden sie wohl kaum Körperlichkeiten nennen. Wegen deiner weißen Zähne, der langen Beine, den vollen Lippen, den schönen Nägeln, dem flachen Bauch, dem runden Hintern? Bestimmt nicht. Nicht nur, weil in der Regel niemand von uns all das hat, sondern weil das nicht die Dinge sind, die dich bestimmen. In deiner Person.

Ich halte mich für ziemlich witzig. Vermutlich bin ich die Person, die mich selbst am witzigsten findet. Ich glaube, ich bin sehr reflektiert und ehrgeizig. Ich glaube, dass ich eine gute Tochter bin. Dass ich zuhören und Ratschläge geben kann, sehr empathisch bin und schnell verstehe, ob jemand verletzt ist, sich unwohl fühlt oder überrascht ist. Ich mag saure Schnüre, knoblauchiges Bruschetta, Panna Cotta und philippinische BBQ Spieße. Ich diskutiere gerne und mag Kunstausstellungen und Wortwitze. Ich bin ein Digital Native. Sensibel. Und ein Organisationstalent. Ein Sichlautaufreger, Augenbrauenhochzieher, Listenschreiber. Ich kann Dinge schreiben, die andere Menschen gut finden. Ich schaffe. Etwas. Ich interessiere mich für Politik, Gesellschaft und Philosophie. Ich bin Studentin, Bloggerin, Zweiflerin, Schwester, Freundin.

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Emma Watson setzt sich sein vielen Jahren durch viele Kampagnen und als UN Women Botschafterin für Frauen/Menschenrechte ein. Auch dafür ist sie bekannt. Vor kurzem veröffentlichte die Modezeitschrift Vanity Fair jedoch ein Bild eines Fotoshootings mit Watson, was Trubel auslöste und die Vorwürfe lostrat, Emma Watson sei heuchlerisch. Sie könne gar keine Feministin sein, wenn sie sich so zeigt. - Was tatsächlich gezeigt wurde, war ein Foto von Emma, auf dem sie viel nackte Haut zeigte.
"Im Feminismus geht es darum, Frauen eine Wahl zu geben. Feminismus ist kein Stock, mit dem man andere Frauen schlägt. Es geht um Freiheit, es geht um Befreiung, es geht um Gleichberechtigung. Ich weiß wirklich nicht, was meine Brüste damit zu tun haben. Es ist sehr verwirrend, ich bin verwirrt, die meisten Menschen sind verwirrt. Ich bin immer irgendwie sprachlos", antwortet Emma Watson später in einem Interview bei BBC.
Feminismus und Sexysein widerspricht sich nicht, finde ich. Es enttarnt höchstens diejenigen, die es abturnt, wenn man Rechte einfordert, wenn man mehr als bloß ein Körper sein möchte, den andere begehren und benutzen wollen. Es enttarnt diejenigen, die denken, man dürfe zwar auf der einen Seite für Gleichberechtigung, für gleiche Gehälter, Meinungsfreiheit, Wahlrecht, frei zugängliche Bildung, gegen Unterdrückung in sämtlichen Kulturen sein, dürfe aber auf der anderen Seite nicht andeuten, dass man Brüste habe.




Dass man noch darüber reden muss, ob sich Feministinnen denn schminken, hübsch machen oder sexy zeigen müssen, ist doch einfach lächerlich. Es ist keine Bewegung gegen Körper. Nicht gegen Sex. Nicht gegen Haut, Lippen, Brüste und Ausschnitte. Sie ist gegen Fremdbestimmtheit.
Mein Körper ist eine Facette von mir. Eine Seite von vielen, die ich zeigen kann, so viel ich will, nackt, bekleidet, schön und unschön, so wie ich es will. Vor allen Dingen ist es aber nur ein Punkt von so vielen, die mich ausmachen. Viel mehr, als ich auf einen Zettel schreiben könnte oder wollte.


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  • Die Kampagne Stop BILD Sexism, die Kristina Lunz vor gut zwei Jahren gründete, zeigt zum Anlass des diejährigen Weltfrauentags ihre Aktion #MehrAlsMeinKörper. Mehr zu der ganzen Kampagne Stop BILD Sexism findet ihr HIER.
  • Für diejenigen, die mein Online Magazin GIRLS JUST WANNA HAVE noch nicht durchgeblättert haben, ist HIER nochmal der Link.
  • Ein Kinderbuch hat den 1. Platz für  sexistisches Marketing bekommen. Den Artikel dazu findet ihr auf Bento HIER.





Was bist du, was mehr als dein Körper ist?







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