Beauty fades - Brain stays forever

Ich habe Fast Fashion abgeschworen. Doch vor dieser Zeit fand ich dieses T-Shirt bei Zara und war begeistert, weil ich es so witzig fa...



Ich habe Fast Fashion abgeschworen. Doch vor dieser Zeit fand ich dieses T-Shirt bei Zara und war begeistert, weil ich es so witzig fand. Beauty fades, Brain stays forever. Aber dann habe ich überlegt, ob das vielleicht komisch rüberkommt. So, als würde ich damit prahlen, besonders brainy zu sein. Oder Beauty und Brain zu haben. Strahlt es Überlegenheit aus? Arroganz? Abwertung?
Und ohne es zu merken, ging ich mir selbst wieder auf den Leim: Angst davor zu haben, was andere über mich denken könnten. So wie ich auch mal befürchte, ich könne Leute treffen, wenn ich ungeschminkt herumlaufe und sie mich seltsam beäugen. Oder jemand könnte bemerken, dass ich an dem Tag wiederholt das gleiche Outfit trage. (Beides tue ich natürlich trotzdem.) Die Angst, man könnte komisch gefunden werden. Uncool bis unschön und all das, was in ähnliche Richtungen geht. Auch ich will gut gefunden werden.

Überlegen zu wirken oder mich über andere zu stellen war nämlich nicht das Vorhaben und ich schüttelte den Gedanken wieder aus meinem Kopf, weil es ja nun einmal der Wahrheit entspricht: Schönheit – in einem oberflächlichen Sinne – vergeht. Alterung und Veränderung unserer selbst und den Umständen und Idealen unserer Gesellschaft. Und das, was uns letztlich ausmacht ist nicht glänzendes Haar, sondern die Dinge, die wir denken und was wir daraus schließen: Erkenntnisse, Handlungen, Empfindungen. Wie wir unser Leben gestaltet, die Welt um uns, wie wir sie verstehen, was wir wollen und überlegen. Was wir fühlen, denken, sagen. Wer wir sind.

Ich setze mich fast jeden Morgen hin, creme mein Gesicht ein, schminke mich, überlege, ob ich meine Haare zusammenbinde oder es lasse, wie es ist Morgenroutine wie das die Beauty Gurus nennen. Psychologisch betrachtet ist in Studien nachgewiesen, dass dieser Akt des Zurechtmachens einen glücklicher macht. Ergibt für mich Sinn, denn man verbessert sich ja, oder hat das zumindest zum Ziel auserkoren. Es kann glücklich machen, sich mit seinem Aussehen zu beschäftigen. Es kann einem Spaß bereiten, Ausdrucksform sein  und eine seichte Entspannungsbeschäftigung sein. Was aber eine Dunkelseite für mich ist: Sie ist relativ unwichtig. Im großen Kontext betrachtet zumindest. Und ich frage mich, ob ich mich nur dann schöner finde, wenn ich geschminkt bin, weil mir gesellschaftlich eingeprägt wird, dass bestimmte natürliche Dinge an mir, nicht schön sein können. Ich lasse mich durch Werbung – oder auch durch Youtube – so oft verführen und denke dann doch darüber nach, ob ich nicht vielleicht mal dieses oder jenes ausprobieren sollte. Vielleicht sieht das ja gut an mit aus, vielleicht wirkt das sehr schön und jenes ganz cool.
Wenn ich auch nur jedes zweite Mal, wenn ich mich eigentlich vor den Spiegel setze und überlege, wie ich mich schminke, etwas lernen würde... was würde ich jetzt alles wissen oder können? Eine Sprache? Einen Kontext? Eine Kultur? Mehr über Geschichte, Wirtschaft, Politik? Mehr über meine Familie und Freunde? Mehr über mich und was ich eigentlich will? 

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