Kunst, Kommerz und Koks: Ohne Titel von Nicholas Grünke

"Das Leben wir besser mit Kunst, auch wenn ich mich ständig darüber aufrege." Ohne Titel heißt das Buch und erzählt von...



"Das Leben wir besser mit Kunst, auch wenn ich mich ständig darüber aufrege."

Ohne Titel heißt das Buch und erzählt von den Jahren, in denen Nicholas Grünke im Kunstbetrieb arbeitete. Seine Zeit war damals bestimmt von Künstlern, Galeristen und Sammlern und den Außergewöhnlichkeiten die damit einhergehen: Dekadenz, Ahnungslosigkeit, Eliten, Hedonismus, Gesellschaftskritik oder Kunstselbstzweck. Dieser eigene Kosmos mit ganz eigenen Regeln, der von Außenstehenden, entweder belächelt oder einfach nicht verstanden wird, der vor allem aber wie eines wirkt: Ein Chaos von Spaß, Sucht und Unabhängigkeit gleichzeitig. Was ist denn nun Kunst? Was davon ist gut? Wie funktioniert der Kunstbetrieb und welche Rolle nehmen darin denn Geld, Ansehen, Können und Werte ein? 


"Die Ideal, die wir damals als Studenten von Kunst hatten, waren, wenn ich nun darüber nachdachte, regelrecht fanatisch gewesen, ja weltverbessernd. Ich musste schmunzeln, von diesem Gedankengut war wirklich nicht mehr viel übrig geblieben. Als ich Simon vor Jahren kennen lernte, hatte ich aus finanziellen Gründen das Künstlersein schon seit längerem auf Eis gelegt und arbeitete als Projektmanager für eine Künstlerin in London. Und auf einmal war ich wieder mitten im Aufbau der Weihnachtsdekoration für Selfridges, und ausgestopfte Spatzen flogen mir um den Kopf."



Zwischen Kunst, Kommerz und Koks.
Zwischen Idealen, Eingeständnissen und Verkauf.
Zwischen Arroganz, Verstand und Spaß.



Nicholas Grünke, der sich im Kontakt mit internationalen Kunstkennern lieber gleich Greenke nennt, studierte an der Akademie der Künste in Enschede, ehe er als Kunst- und Projektmanager in ganz Europa tätig war und Studios in Hamburg und Berlin hatte. In seinem Buch Ohne Titel sind wir mit ihm u.a. in London, Miami, Paris, Hamburg, Budapest und Venedig. Wir erfahren, welche Strategien Galeristen nutzen, um ihre ausgestellten Kunstwerke besser verkaufen zu können, bekommen geschildert, wie sich Kunstinstallationen umsetzen lassen, aber vor allem, welche vielseitigen, zugespitzten und exzentrischen Menschen sich in der Szene rumtreiben. Da kauft man mal eben ein Bild für mehrere Hunderttausend, einfach, weil es die richtigen Farben enthält oder weil man sich einen Anschluss in eine Gesellschaft erhofft, die sonst so verschlossen wirkt. Menschen, die seltene Tulpenzeichnungen sammeln, die ihre jüngeren Assistentinnen verführen, Champagner, Mottopartys und Interpretationsansätze derer, die glauben, die Kunst längst durchschaut zu haben.
Mit Kunst lässt sich eine Menge Geld machen, in dieser ganz eigenen Welt lässt es sich vergnügen und verzweifeln, sie lässt aber auch Raum für alles und für nichts gleichzeitig.



Ohne Titel: Meine verrückten Jahre zwischen Künstlern, Galeristen und Sammlern, Nicholas Grünke, Rowohlt Verlag

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