Stolz & Vorurteil

Stolz und Vorurteil Über das Berufsbild eines Influencers Während der Fashion Week und in der Netzwelt entkam man dem Thema nich...




Stolz und Vorurteil
Über das Berufsbild eines Influencers

Während der Fashion Week und in der Netzwelt entkam man dem Thema nicht: Influencer, Influencer, Influencer. Aber was war passiert? Der Schauspieler Elyas M'barek veröffentlichte ein Selfie mit der 21-jährigen Influencerin mit dem vielsagenden Titel: Habe sie gefragt, was ihr Beruf ist, sie hatte keine Antwort. Fast zeitgleich ging ein Interview mit Caro Daur vom Manager Magazin  (Die Daur Werbesendung) online und entfachte damit einen kleinen aber feinen Shitstorm.
Was daraufhin eine Welle der Empörung angestoßen hat, waren vor allem zwei Punkte im Interview, welche die Leserschaft in mindestens zwei Lager teilte: Einerseits war durch die gestellten Fragen eine klare Voreingenommenheit der Journalistin zu erkennen, andererseits wurden in einem zweiten Teil nach dem autorisierten Interview auch die Fragen veröffentlicht, die Caro Daur nicht beantworten wollte. Darunter vor allem darüber, wie sie mit bezahlten Werbedeals verfährt.






Caro Daur & die Medien

Tatsächlich steht die Journalistin des Wirtschaftsmagazin nicht in der Aufgabe, Daur möglichst ideal zu präsentieren. Sie gehört nicht in die Werbebranche, sondern in die Metaebene darüber: Berichterstattung und Hinterfragen. Aus diesem Grund darf und sollte eine mögliche Kritik immer mitschwingen. Sie wollte herausfordern und provozieren, vielleicht ein Stück weit entlarven und bloßstellen. Allerdings auf eine Weise, die man durchaus infragestellen kann: Durch unprofessionelle Herablassung.
Auf Seiten von Daur wird allerdings klar, dass die One Woman Show, die sie beruflich - ohne Team und Management - spielt, durch ebensolche PR Debakel ihre Schwächen aufdeckt. Als erfolgreichste Influencerin Deutschlands mit etlichen Werbeverträgen und vier Runwayshows, auf denen sie laufen durfte und über einer Millionen Followern begibt auch sie sich auf unprofessionelles Eis, wenn sie sich lediglich als das Mädchen von nebenan stilisiert, das eigentlich nichts verfolgt und nur ein wenig Spaß hat, Strategien abstreitet und Fragen zu Verdienst und Hintergrund aus dem Weg geht.


Was ist ein Influencer?

Influencer ist nicht gleich Influencer und Blogger und Influencer müssen nicht das gleiche sein. Sie können Individuen sein, hinter ihnen kann aber auch ein ganzes Team und ein Management stehen. Es gibt verschiedene Modelle, die sich inoffiziell herausgebildet haben. Fashion und Lifestyle Blogs, die klein begonnen, sich mit der Zeit jedoch mehr und mehr zu einem jeweiligen Blogzine – also einem Online Magazin in Blogformat – herausgebildet haben, dessen Themen sich weiter streuen und auch mehr und mehr Redakteure und Bloggerinnen an Bord holen und eine journalistischere Grundlage besitzen. Beispiele dafür wären This is Jane Wayne, Blogger Bazaar und Journelles. Während diese Blogger diejenigen waren, die sich vor Jahren noch für ihren Beruf und ihre Stellung in der Modebranche rechtfertigen mussten, haben sie ihren Platz mittlerweile gefunden.
Ein anderes Modell, das eine ganz andere Ursprungsgeschichte vorweist ist das, was gern mit einem milden seitlichen Lächeln als Influencer bezeichnet wird. Influencer sind Einzelpersonen, meist groß und hübsch und vor allem: Meist auf Instagram. Auf der großen visuellen Plattform, die die Blogger einst nur als Social Media Unterstützung nutzten, wurden die jungen Sternchen geboren, die nun mit ihren Fotos beeinflussen und inspirieren. Blogs oder ggf. Agenturen kommen bei ihnen erst im zweiten Schritt dazu, um besser an Aufträge, an Seriosität und Möglichkeiten zu gelangen. 
Eine Person öffentlichen Lebens. Teilweise auch die Person, die hinter den Fotos und dem Konzept steht. Sie sind Werber und Meinungsmacher. Das Berufsbild geht über das eines Models vielleicht noch hinaus: Die Person, ihr Gesicht, ihr Auftreten, ihr Image, ihr Stil und das, wofür sie nach außen hin steht, all das wird zu einer Marke. Was einst It-Girls wie Paris Hilton und Nicole Richie, aber auch Alexa Chung waren, sind jetzt Caro, Farina, Lena und co. Nur dass sie eine noch leichter messbare Wirkung haben: Ihre Reichweite.



Gar nicht komplett weit entfernt von Elyas M'Barek.

Transparenz & Vergleich

Während es auch andere Berufe gibt, in denen man um 9Uhr ins Büro kommt, aber vielleicht erstmal einen Kaffee mit den Kollegen trinkt, ein Brötchen isst und sich dann langsam dem Papierkram widmet und man hinterfragen könnte, wieso der Bundestrainer unserer Fußballnationalmannschaft mehr Geld verdient, als die Bundeskanzlerin, ein hauptberuflicher Fußballspieler mehr als eine Krankenpflegerin, dann lässt sich das gar nicht so schwer beantworten: Wirtschaftskraft.
Dass Influencer noch immer als etwas gelten, was sich unsere Gesellschaft lästigerweise eingefangen hat, hat vermutlich mit einem Unverständnis und Vorurteilen zu tun. Man ist verwirrt. Es ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, was denn da schon großes hinter der Kamera getan werden muss, wenn sie auf einer Plattform sind, auf der leckeres Frühstück und Designerhandtaschen im Flugzeug bei einem Schnappschuss auf der Weltreise an der Tagesordnung stehen. Was davon ist Arbeit? Genau genommen, die Illusion herzustellen, dass all das keine Arbeit ist? Ironischerweise ist das der Punkt, der immer und immer kritisiert wird. Es fehlt eine Transparenz, die seit Anbeginn dieses Berufsbildes nie gänzlich aufgelöst wurde. Es ist ein Unverständnis dafür, wie etwas, was gar nicht nach Arbeit  (sondern sogar gegenteilig wie etwas, was wir nur mit Urlaub und Freizeit verbinden) aussieht, scheinbar so viel Geld abwirft. Und dann auch noch das beklemmende und unwohle Gefühl, es gehe auf Kosten anderer. Auf die der jungen Mädchen, die sich schlechter fühlen, derjenigen, die sich dadurch betrogen fühlen, dass nicht alles gekennzeichnet wird und man nicht mehr unterscheiden kann: Was ist echtes Leben? Was ist Show? Wie heil und perfekt ist diese Welt? Wie viel Geld steckt hinter dieser Meinung? Was zieht die Influencerin daraus? Ein Hauch von Neid. Ein Hauch von Misstrauen. Und ganz viel Unklarheit.

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