Kapitel 4: Brain Pain Au Chocolat

Meine Bachelorarbeit ist im vollen Gange. Analytische Sprachphilosophie. Ich verlängere meine Bibliotheksausweis und lese Herder, Humbo...


Meine Bachelorarbeit ist im vollen Gange. Analytische Sprachphilosophie. Ich verlängere meine Bibliotheksausweis und lese Herder, Humboldt, Condillac, Locke, Sapir, Whorf, Hacking, Austin Lucy, Butler und noch viele mehr.
Was ich jedoch unterschätzt habe ist die Tatsache, dass ich nebenher auch noch andere Seminare belege und dementsprechend auch dafür arbeiten muss. Protokolle, Referate oder ganze Hausarbeiten dafür schreiben muss, während ich mich so viel lieber komplett in die Bachelorarbeit hinein werfen würde.

Ich habe Kopfschmerzen. Oder so etwas ähnliches. Brain pain. Es gibt Tage, an denen ich das Gefühl habe, mein Kopf platz vor lauter Thesen, Projekten, Aufgaben und Gedanken. Und Gefühlen. Die verorte ich manchmal nämlich auch eher hinter meiner Stirn.
Gestresst sein, traurig und erschöpft sein, Beziehungen neu definieren, reisgnieren oder sich überarbeiten, das sind keine tragisch-schönen Dinge. In solche Momenten sehe ich nicht wunderschön aus, während mir eine Träne die Wange herunterläuft und in den Tinto de Verano fällt. Stress ist kein Synonym für gefragt-und-erfolgreich, traurig auch keines für melancholischer-Blick-mit-französischer-Musik-im-Hintergrund. Die Realität liegt irgendwo zwischen Seminaren, in denen ich plötzlich so lautes Herzklopfen bekomme, dass ich mich nicht mehr traue, auch nur ein Wort zu sagen und zusammengerollt und mit Wärmflasche im Bett zwischen den Krümeln liegen, die meine Chips in ihr hinterlassen haben und nachher so tun, als sei nichts gewesen und als laufe alles super. 

Man kann sich dazu entscheiden, motiviert zu sein. Ist Motivation ein Gefühl, das man einfach hat oder nicht? Oder ist es ein Zustand, in den man sich bringen kann? Ich muss Dinge tun, um sie getan zu haben. Mich an Werke versuchen, verändern, verwerfen und neu betrachten, damit sie besser werden, Probleme an Menschen adressieren, damit man daran arbeiten kann. Wenn ich will, dass Dinge anders laufen, dann muss ich annehmen, was daran von anderen abhängt und was von mir. Dinge, Situationen, Perspektiven und Zukunft kann verändert werden. Ich kann sie ändern. Wir sind zur Freiheit verdammt, wie Sartre so schön sagt, und tragen damit auch die volle Verantwortung für unser Leben. Das motiviert mich. Zu sehen, was andere erreichen und mit wie viel Willenskraft sie das tun, sodass ich es auch tun will. Einfach weil ich kann. Aber was ist mit den Dingen, die nicht in meiner Verantwortung liegen. Die ich nicht ändern kann, die dazwischenkommen. Die mir Kopfweh bereiten.











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