Kapitel 5: Schreibunzufriedenheiten

Ich bin gerade in einem ziemlich seltsamen Zwischenzustand. "Wir leben in einer Zeit der Umbrüche", würde Martin Schulz in seine...


Ich bin gerade in einem ziemlich seltsamen Zwischenzustand. "Wir leben in einer Zeit der Umbrüche", würde Martin Schulz in seinem 60 Sekunden Referat sagen und er hat Recht damit. Bei mir – selbstredend in einem viel kleinerem und persönlichem Rahmen – hat das viel mit einem Findungs- und Stabilisierungsprozess zu tun. Wie werde ich bloß wieder richtig ich selbst? Wie bekomme ich eine ruhige und sichere Basis gebacken, die mich auf dem Boden hält, ohne dass ich abhebe oder mich auf ihm zusammenkauere und heule? Aber wieder auf Anfang: Am Anfang war das Wort.






Ich bin unzufrieden mit meinem Schreiben und das hat vielerlei Ausprägungen, die sich wie knorrige dünne Äste über meine wichtigen und unwichtige(re)n Lebensbereiche ausbreiten. Da wäre einerseits die Uni, die für mich gerade Priorität hat, denn ich erblicke ein Licht am Ende des Tunnels, durch den ich mich getragen habe. Meine Bachelorarbeit geht gerade auf ihr Ende zu. Der aufeinander aufgebaute Thesenverlauf steht schon lange und bin stolz auf die logische Struktur meiner Thesis, zumal es ein Thema ist, das mich unheimlich interessiert – Sprache, Denken, soziale Wirklichkeit und ein Hauch von Intersektionalität, stay tuned. Aber dennoch sorge ich mich ein wenig. Während ich schon bei meinem ersten Entwurf zweifelte, dann jedoch so viel Lob von meinem Professor bekam, bin ich trotz allem schon wieder an dem Punkt, an dem ich nicht weiß, ob das, was ich geschrieben habe und weiterhin schreibe gut ist oder einfach nur peinlich schlecht. Ich weiß nicht, was es ist, aber in meiner wissenschaftlichen Arbeit fällt es mir schwer, einen Blick zu fassen für mich selbst und das, was ich geschrieben habe. Vielleicht brauche ich zwischendurch mehr Distanz?

Wofür ich zwischenzeitlich vielleicht ein Hauch zu viel Distanz hatte, sind Projekte wie mein Blog und auch ein paar andere Ideen, die vorerst sprudelnd aus mir heraus brachen und nun aber etwas verstaubt in meinen Notizen verkommen. Alles andere hat darunter gelitten, dass ich eine (Schreib- und Zeit-)Priorität auf das Universitäre gerichtet habe.
Irgendwie muss ich mir eingestehen, dass ich es erst einmal nicht schaffe, die neue Girls Just Wanna Have Ausgabe zu planen. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, wie ich denken konnte, all das unter einen Hut zu bringen. Insbesondere, weil ich genau weiß, wie unfassbar viel Arbeit das Magazin war, das ich ganz allein plante, bearbeitete und kommunizierte. Mit dem Blog bin ich unzufrieden und es schreit nach Veränderung in mir. Das Grundkonzept steht sogar, ich habe ein neues und feines Media Kit und arbeite zumindest rein theoretisch an Ideen für einen kleinen Relaunch, um Sans Mots wieder zu einem Ort zu machen, der mir mit Stolz und nicht mit Sorge gehört. Ein paar neue Formate sind geplant.


Habt ihr - du, der Mensch, der das gerade liest - konkrete Vorschläge, worüber ich gerne öfter etwas lesen und hören würde? Themen? Richtungen? Fragestellungen? Andere Umsetzungen? Öfter Blogeinträge? Weniger und dafür länger und recherchierter? Egal wie oft, solange es regelmäßig ist? Was interessiert euch?


Bei den Schwerpunkten von Kultur und Gesellschaft, sowie Einschlägen von Persönlichem, Philosophie und co. wird es vermutlich bleiben. Die Lifestyle Rubrik wird nach jetzigem Stand allerdings kleiner. Wenn es mir schwer fällt, mehrere Sätze über Lippenstift und Eyeliner (den ich gern trage!) oder Kleidungsstücke (von denen ich einfach zu wenig Aktuelles trage und kaufe) in einem Sinnzusammenhang zu setzen, ohne sie mir aus den Fingern zu saugen, dann sollte ich diese Bereiche um Beauty, Fashion & Lifestyle zumindest im großen Stil lieber denen überlassen, die sich damit auskennen.
Eigentlich will ich gerade nur eines: Kreativ schreiben. Es ist ja immer so, dass einem die unmöglichsten Ideen kommen, was man gerade alles tun könnte, wenn man an eine Arbeit gebunden ist, aber  ich habe solch ein großes Verlangen, wieder zu schreiben. Richtig zu schreiben. Kurzgeschichten, Fragmente, das Weiterarbeiten an einem der Manuskripte, die ich begonnen habe. Wozu ich die letzten Monate (!) kaum kam. Erst, weil es mir zu schlecht ging, dann, weil ich mich in der fremden Wohnung und in Anwesenheit anderer Menschen nicht wohl fühlte und mich nicht in die Lage versetzen wollte, mich roh und offen an den Laptop zu setzen und von Dingen zu schreiben, die mir weh tun und die mich zum Weinen bringen. Und dann letztlich, weil ich so sehr in meinem Alltag und in meinem Studium bin, dass ich zu viel zu tun habe. Zwischendurch habe ich Gedichte geschrieben. In Situationen, mitten in der Nacht oder an wütenden Nachmittagen, wo ich voller Emotionen war und sie einfach loswerden musste. Das war allerdings immer etwas eher Impulsives, etwas Kurzfristiges und nichts, was (mir) auf meiner literarischen Reise etwas bedeutet.













Der Zwischenzustand. Da ist er. Mittlerweile bin ich angekommen in der neuen Wohnung, die nicht länger ein Fremdkörper ist, in dem ich lebe, sondern Teil meines ganz alltäglichen Lebens. Ich weiß, wo ich Tesafilm finde, all mein Hab und Gut hat einen festen Platz und meine morgendliche Routine und das Zusammenleben mit meinem besten Freund und Partner hat sich von einem "Das ist ja schön, aber ein bisschen anstrengend und gewöhnungsbedürftig auch" zu einem "Das ist ja schön!" entwickelt.
Und dann kommt der tiefer gehende Teil: So vieles läuft von dem, was ich mir gewünscht habe, was ich dringlichst und mit Herzensleidenschaft und tränender Verzweiflung herbeigesehnt habe. Und trotzdem setze ich mich nachts auf, höre das regelmäßige Atmen neben mir, sehe auf den Boden und habe das Gefühl von Mangel. Zu viel Wenig. Zu viel leer. Das Leben ohne (m)eine Mutter ist schrecklich. Und das wird es bleiben. Der Alltag ist etwas ins Land gezogen. Ich sortiere mein Leben und sehne mich ein wenig nach Ausland und Auszeit, nach Meer und Mehr. Ich kaufe bei Ikea, treffe mich auf Kaffees und Cocktails, sehe zu, wie sich auch das Leben meiner Freunde gerade sehr verändert, bestaune das Labor meines Freundes, esse Burger, drehe abends in der Schwimmoper meine Bahnen und schleiche über die Königsallee in Düsseldorf. Die Tsunamiartigen Wellen in meinem Kopf und Herz haben sich zu einer noch immer etwas beunruhigenden Windstille gelegt. Ich weiß nicht genau, was gerade los ist. Irgendwie nichts und irgendwie zu viel. Meine Fundament wackelt, aber die Basis ist in Arbeit. Und die brauche ich.








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3 x

  1. Hey Janet,

    ich finde du solltest das machen, was dir am meisten Spaß macht und das ist, wie du selber gesagt hast, das kreative Schreiben. Ich finde die Art wie du schreibst, deine Wortwahl und das Gefühl welches du mit deinen Texten vermittelt ist einfach unbeschreiblich. Einfaches Beispiel: Allein der kurze Text "Trapez der Traurigkeit" welchen du mal in deiner Instagram-Story gepostet hast, hat mich wirklich beeindruckt. Ich habe es gelesen und musste mich zusammenreißen, dass ich nicht sofort in Tränen ausbreche. Du hast etwas ausformuliert, wozu ich noch nicht einmal imstande gewesen bin zu sagen oder gar zu denken. Seit langem hat mich ein Text wieder wirklich berührt und ich bin der Meinung, dass du mit dem was dir wirklich Spaß macht nicht aufhören sollst. Ich würde liebend gerne deine Gedichte lesen, selbst wenn du sagst, dass sie impulsiv wären :)

    Liebste Grüße, Trang

    PS: Was ich im Grunde sagen wollte ist, dass ich den Mix aus Aktuellem, sei es politisch oder gesellschaftlich, sehr angemessen finde. Auch das Philosophische & kritische zwischendrin finde ich super. Nur mehr Kreatives Schreiben wäre nicht schlecht ;D

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  2. Liebe Janet,

    Krisen sind umungänglich. Das kann ich grade in einem kurzen Moment behaupten, nachdem ich mich die letzten 4 Tage nach Hause verzogen, gelesen, Musik gelauscht, gegrübelt und melancholiert habe. Ich kann nicht mal annähernd nachvollziehen, was du durchmachst. Aber so wie ich deine wunderschönen Worte lese, kann ich dir objektiv sagen, dass du alles besser hinkriegst, als du vielleicht selbst denkst.

    Ich kenne die Blogkrisen nur allzu gut. Lass mich dir sagen, dass ich vor allem die persönlichen, reflektierten Texte wie diesen mag, aber auch die informativen (Verantwortung des Journalismus oder der kurze Überblick über Ethik auf Instagram Stories - das war mega mega spannend und hat meine Denkweise stark beeinflusst!).

    Schminke und Fashion würde ich auch weglassen. Haue ich bei mir auch raus, denn für mich ist dieses Zeug zwar ein Alltagsbestandteil, aber soll nie wieder zum Inhalt werden. Klar, will ich hübsch aussehen, aber lieber widme ich meine Aufmerksamkeit auf anderes Zeug, verschwende nicht zu viele Gedanken und schließlich Zeilen auf dem Blog in Outfits und Kosmetikprodukte.

    Was deine Gedichte angeht, würde ich sie wie Trang auch gerne lesen! Will mir nicht zu viel rausnehmen, aber ich glaube, dass so ziemlich alles, was man schreibt (insbesondere dann, wenn es aus einer spontanen Laune entsteht), eine literarische Bedeutung für den Schreiber selbst hat. Also nur nicht zu bescheiden sein.

    So, das wars mit dem Monster-Kommentar.

    Ganz liebe Grüße von mir!
    Ana xx www.disasterdiary.de

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  3. Ich fange mal an, weil sich vieles in meinem Kopf während deines Textes angesammelt hat und man am Ende des Textes nicht weiß, was man zuerst schreiben sollte.
    Generell gilt: schreibe das, was du willst und wie du willst. Das Wie bezieht sich dabei eher auf Art der Recherche, Regelmäßigkeit eines Blogs. Aber ich glaube, dass du am Ende deiner Fragen das selber weißt ;)
    Wenn du mich als Leser fragst: Ich lese gerne deine gut recherchierten Beiträge, die durchaus länger sein können. Wie lang ist dann oft abhängig von der Thematik selbst. Es gibt bestimmt sowas wie “zu lang”, aber ich denke, wenn es einfach nötig ist, ein Thema von vielen Seiten zu beleuchten, dann wird man sich als Leser wie bei Zeitungen und Zeitschriften auch durch eine ganze Reportage lesen und sich die Zeit dafür nehmen - einfach weil es das wert ist. Was die Häufigkeit angeht: es ist bestimmt schwierig, gute Recherche mit “häufig abliefern” zu kombinieren. Daher ist es durchaus eine Rechtfertigung, sich Zeit zu nehmen und demnach selten(er) zu posten. Aber zwischendurch brauche und will ich als Leser durchaus Input haben. Der darf aber dann gerne weniger recherchiert ausfallen. Vielleicht dann eher “Impulsives”, “Schnellgeschriebenes”. Man könnte meinen, dass das dann Lückenfüller wären, aber so muss man das nicht sehen. Vielleicht ist eben der (mehr oder weniger) Wechsel zwischen tiefen und leichten Texten (also viel vs. wenig Zeit- und Denkaufwand, weil impulsive) sowohl für dich als auch für den Leser sehr angenehm. Wir brauchen Input und du brauchst Output – wäre das etwas für dich?
    Das Einzige, was mir einfällt, was ich dir konkret vorschlagen könnte, wären wohl Podcasts diverser Themen (ich glaube SWR2 hat gute Beiträge). Oder Radiosender, die nicht nur Musik hoch und runterlaufen lassen, sondern auch mal Input geben - in dieser Hinsicht höre ich sehr gerne Deutschlandfunk Nova. Vielleicht gibt es da hin und wieder Anregungen für dich? Aber sonst darf ich ehrlich zugeben, dass dein Blog wie er aktuell besteht, mir gut gefällt. Aber auf neue Formate bin ich dennoch auch gespannt. Ich glaube generell, das liegt an einer Art als Mensch bzw. du als Mensch zusammen, dass ich das, was du interessant findest, auch nicht uninteressant finde.
    Vielleicht hin und wieder noch Botanik, da hast du mich wirklich mitgerissen! :D
    Sonst bleibt mir nur zu sagen: Blogge wie du willst, mit deinen Ansprüchen. Aber lasse dich nicht hetzen, das verdirbt einem meist nur den Spaß.

    Liebe und viele Grüße,
    Mai

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