Krieg, Moral, Physik - Allein gegen die Schwerkraft

Es ist ein Sonntag. Ein eiskalter Sonntag. Sonntag, der 29. März 1914, als ein Herr in Berlin eintrifft, um als Mitglied der Preußischen ...

Es ist ein Sonntag. Ein eiskalter Sonntag.
Sonntag, der 29. März 1914, als ein Herr in Berlin eintrifft, um als Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften und als Professor der Universität seine Forschungs- und Lehrarbeit zu beginnen. Der 34-jährige Albert Einstein ist misstrauisch und unsicher, so soll er doch eine leitende Stelle am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik bekommen und dem preußisch-militaristischen Obrigkeitsstaat traut er nicht. Mehrere Gründe bringen ihn allerdings dennoch dazu, einzuwilligen und seine Arbeit in Berlin zu beginnen. Einer der Gründe trägt den Namen Elsa Löwenthal und ist die Geliebte Einsteins. Ein anderer die Hoffnung, nun intensiv an seinen Forschungen arbeiten zu können.




"Allein gegen die Schwerkraft" von Thomas de Padova ist ein Buch für Personen, die sich für die  auch ganz persönliche Biographie und Theorien des jüdischen Nobelpreisträgers interessieren und vielleicht auch noch nicht allzu ausgeprägtes Vorwissen haben. De Padovas Werk ist kein wissenschaftliches. Viel mehr soll die Szenerie und den Kontext schildern und liefert damit eine romanhafte Biographie Einsteins. Man begibt sich auf die Spuren seines Lebens zur Zeit des ersten Weltkriegs in Berlin. Einstein steht zwischen zwei Städten, ehe er nach Berlin zieht und zwischen zwei Frauen vor der Entstehung der allgemeinen Relativitätstheorie.


Wie waren Raum und Zeit, als Albert Einstein sein Leben führte?


Die Zeit Einsteins in Berlin ist durch den Krieg geprägt, durch Politik, seine Forschung und die Beziehungen in denen er steht. Wissenschaftlicher Austausch mit dem Begründer der Quantenphysik und kaiserlich treuen Physiker Max Planck, dem Chemiker Fritz Haber, der durch eine neue Gattung der Chemiewaffen die Kriegsführung auf ein neues Level führt, sowie dem Chemiker Walther Nernst und Mathematiker David Hilbert. Allein gegen das Gewicht der Strömung. Einstein ist als Pazifist schockiert über den Kriegsenthusiasmus, den einige seiner Kollegen und sein Umfeld aufbringen. Die historische Zeit ist von Gewalt geprägt, von Macht, von Krieg und getöteten Opfern. All das wird Einstein dazu bringen, gegen Kriegsende als ein überzeugter Aktivist aufzutreten, der sich zwischen all den Kriegsbefürwortern moralisch berufen fühlt, sich für den Frieden einzusetzen.
Nicht Harmonie suchend verhält er sich in seinem persönlichem Umfeld. Privat lebt Einstein in unglücklicher Ehe mit seiner Frau und Physikerin Mileva, die für ihn einst eine Weggefährtin war, die sich nun immer mehr mit dem Aufgabenbereich der Hausfrau und Mutter abfinden muss. Mileva kehrt heim nach Zürich, während Albert in Affäre zu seiner Cousine und Geliebten Elsa beginnt, die er später heiratet. Der Haussegen hängt mehr als schief. Albert ist ein seltsamer Außenseiter, der nicht nur durch seine Genialität eine als besonders auffällt, sondern auch durch seine Unreife in anderen Bereichen. Ein erwachsener Mann, der sich wehrt, sich die Haare kämmen und die Zähne putzen zu müssen, sich auch eigenartig und launisch zeigt.

Physikerin Mileva Marić und ihr Ehemannt Albert Einstein.

Thomas de Padova ist studierter Physiker und Astronom und zeigt in seinem Buch vier Jahre im Leben des weltberühmten Wissenschaftlers Albert Einstein auf. Es zeigt ihn als Mensch. Als Mensch in einer bestimmten Zeit und in bestimmten Konstellationen und Situationen. Ein ganz normaler Mensch, wie er sich in dieser dramatischen Zeit verhält und mit seiner Forschung ringt, sowie mit Beziehungen und der Zeit, in der er lebt. Eine collagiertes Zeitporträt, sein Leben als authentischer Mensch, der arbeitet und forscht, aber auch liebt und sich sorgt, mit Idealen verzweifelt und sich windet. Durch verschiedene Einschübe, historischer Ereignisse schafft de Padova eine Vorstellung einer radikal historischen Aufbruchszeit zu einem lebendigen Bild zu formen.
Die Arbeit an einer Verallgemeinerung der Relativitätstheorie nimmt Fahrt auf. Die physikalischen Zusammenhänge der Theorie werden auf eine verständliche Weise erklärt.




Fritz Haber und Albert Einstein.

Transparenz: Das Buch wurde mir vom Piper Verlag zur Verfügung gestellt.

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