Ich esse Fleisch. Kann ich das vertreten?

Ich esse Fleisch. Nicht sonderlich viel, nicht sonderlich oft. Ich kaufe nie Fleisch und koche auch nur selten damit. Ich muss aber ges...


Ich esse Fleisch. Nicht sonderlich viel, nicht sonderlich oft. Ich kaufe nie Fleisch und koche auch nur selten damit. Ich muss aber gestehen: Ich tue es. Ich liebe den Geschmack von philippinischen BBQ, von polnischen Cabanossi, von Baconburgern und dem guten alten Salamibrötchen. Und was ich damit auch tue: Ich genieße den Geschmack von totem Tier. Dabei liebe ich Tiere.

Wie kann ich das moralisch rechtfertigen?
Bisher: Gar nicht.

Ich habe eine grundsätzliche Ahnung und ein Bewusstsein von dem, was in der Massentierhaltung geschieht und weiß durchaus, dass ein Leben sterben muss, damit ich mein Salamibrötchen essen kann, aber eine konkrete und stringente Konsequenz habe ich noch nicht daraus gezogen. "Ich muss mich da mal mehr mit auseinandersetzen", sage ich und will das wirklich. Mich wirklich irgendwann mal so sehr damit beschäftigen, dass ich entweder aufhöre Fleisch zu essen oder zumindest genau begründen kann, warum ich es weiterhin tue und okay finde. Oder irgendwas dazwischen.

Ich habe das Gefühl, dass es – insbesondere im Internet – entweder Vegetarier gibt, die ihren Entscheidungsprozess bereits hinter sich haben oder diejenigen, die sich nicht zum Fleischkonsum äußern. Ich will beides sein. Oder eben dazwischen. Ich werde nach und nach herausfinden, ob ich es für mich (!) weiterhin vertreten kann Fleisch zu essen oder damit aufhören. Ich werde daran teilhaben lassen, was meine Gedanken dazu sind, an welchem Punkt ich gerade bin und was ich daraus schließe. Bekanntermaßen ist das Internet ein sehr radikaler Ort und Vegetarismus ein sehr emotionales und polarisierendes Thema, ich hoffe also, dass ich niemanden auf die Füße trete, wenn ich meine – noch unausgereiften! – Gedanken veröffentliche. Widersprecht sämtlichen Quellen, die ich zitiere, wenn ihr könnt, erklärt mir, falls ich etwas falsch verstehe, wenn ich es tue oder erzählt mir von euren Erfahrungen oder Fragen. Ich bin mir sehr unsicher in diesem ganzen Bereich und freue mich über Input, hoffe aber, dass es sachlich bleibt und ich nicht (hier eine Hommage an meine feministischen Artikel) allzu viele Hassnachrichten bekomme.

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  1. Das ist wirklich ein schwieriges Thema, v.a. im Internet. Ich finde es aber gut, dass du so offen darüber redest und uns an diesem Prozess teilhaben lassen möchtest. Ich bin schon sehr gespannt auf neue Beiträge. Mir ging es bis vor einem Jahr ganz ähnlich wie dir: ich habe nur ab und zu Fleisch gelesen und liebe Tiere. Irgendwann kam bei mir aber einfach der Punkt, an dem ich es zum einen oft eklig fand Fleisch (bzw. der Gedanke an ein totes Tier) zu essen und zum anderen nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren wollte. Ich habe nicht gezielt dazu recherchiert, aber mich in der Zeit generell immer öfter auch mal akademisch (Stichwort Critical/Literary Animal Studies) auseinandergesetzt. Ich glaube, das hat auch dazu beigetragen. Manchmal habe ich immer noch richtig Lust auf ein zartes Stück Hühnchen, aber da ich auch vorher wenig Fleisch gegessen habe, fällt mir der Verzicht zum Glück sehr leicht.

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